Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

Treffen von FlaRak-Offizieren in Appen
an der Unteroffiziersschule der Luftwaffe

In jeder Beziehung war es ein Ereignis der besonderen Art. 20 Jahre nach der Vereinigung der zwei deutschen Staaten trafen sich am 28. April des Jahres FlaRak-Offiziere der Bundeswehr mit ehemaligen Fla-Raketen-Offizieren der NVA. Es war beeindruckend, spannend, sehr emotional und es war hoffentlich nicht das letzte. Dass dieses Treffen überhaupt zustande kam, ist das besondere Verdienst von Oberstleutnant Michael Herpich, Inspektionschef an der Unteroffiziersschule der Luftwaffe in Appen. Er hatte die Idee, von ihm ging die Einladung aus, und er organisierte die Vorbereitung und Durchführung.



Oberstleutnant Michael Herpich begrüßt die Anwesenden und eröffnet die Begegnung

Herpich war über die Homepage www.lv-wv.de von Siegfried Horst auf das Buch "Die Fla-Raketentruppen der Luftverteidigung der DDR" gestoßen. Als ihm dann Oberstleutnant Ralph Buß, der bis 1990 in der NVA gedient hatte und heute noch im aktiven Dienst der Bundeswehr steht, die Wahrhaftigkeit des Inhalts des Buches bestätigte, stand sein Entschluss fest: Wir müssen uns treffen und über unsere Geschichte sprechen. Wir haben seine Einladung gern angenommen, liegt uns doch daran, die schwarz-weißen Propagandabilder des Kalten Krieges zu überwinden und zu einer realistischen Geschichts-betrachtung zu finden.

Von der NVA nahmen teil: die Oberste a.D. Bernd Biedermann, Lothar Herrmann und Siegfried Horst sowie der Hauptmann a.D. Peter Kraus. Sie waren in Begleitung ihrer Ehefrauen angereist. Oberstltn. Herpich empfing seine Gäste, führte sie durch das beeindruckend schöne Objekt der Marseille-Kaserne und erläuterte Struktur und Aufgaben der Lehreinrichtung. Anschließend traf man sich im Unteroffiziers- und Offiziersheim.



v.l.: Heino Truchen, Michael Herpich, Ingo Stage, Peter Kraus



Oberstleutnant a.D. Heino Truchen, Oberstleutnant Christian Franke und Oberstleutnant Ralph Buß

Der Kommandeur der Schule, Oberst Klaus-Christian Kuhle, ließ es sich nicht nehmen, die Teilnehmer sehr herzlich zu begrüßen. Er sprach sehr offen über die schwierige Situation, in der sich die Bundeswehr zurzeit befindet und brachte zugleich die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Schule in Appen auch in Zukunft bestehen wird.

Von der Bundeswehr nahmen neben Oberstltn. Herpich teil: die Oberstleutnante Ralph Buß und Christian Franke, Oberstltn. a.D. Ingo Stage und Oberstltn. a.D. Heino Truchen.



v.l.: Frau Kraus, Frau Biedermann, Frau Horst, Frau Herrmann



Der Senior unserer kleinen Abordnung - Oberst a.D. Lothar Herrmann

Als jeder Teilnehmer in knapper Form von seiner militärischen Laufbahn berichtete, erhielten wir eine Vorstellung davon, was hinter den einzelnen Lebensläufen steckt. Neben viel Ähnlichem stellten wir auch gravierende Unterschiede, ja Gegensätzliches fest. Dennoch stellte sich die Erkenntnis ein, dass jeder von uns seinen Dienst versehen hat, weil er sein Land schützen und den Frieden erhalten wollte. Heute wissen wir, dass die Fla-Raketentruppen während des Kalten Krieges auf beiden Seiten in einer sehr ähnlichen Lage waren. Sie haben die potenzielle Bedrohung deutlicher empfunden als die meisten anderen Waffengattungen. Wiederholt kam zum Ausdruck, dass die Einheit Deutschlands auch Dank der besonnenen Haltung und Handlungen seiner Soldaten friedlich vonstatten ging. Es hätte auch anders kommen können.



Das gemeinsame Unteroffiziers- und Offiziersheim bot guten Service, beste Küche und gute Preise

Nach dem gemeinsamen Abendessen wurde angeregt und offen diskutiert



Ingo Stage, Heino Truchen, Michael Herpich und Perter Kraus im Gedankenaustausch



Oberstleutnant Buß und Oberst a.D. Lothar Herrmann dienten beide vor der Wende in der 43. FRBr,
Oberstleutnant Franke verfolgt die Ausführungen von Lothar Herrmann sehr interessiert

Bald begann auch die typische Fachsimpelei. Welche Unterschiede gab es bei den verschiedenen Waffen-Systemen? Wo lagen die Gemeinsamkeiten, welche Normen gab es und wie wurden sie erfüllt?

Während des Treffens stellte sich ein hohes Maß an gegenseitiger Akzeptanz, ja eine gewisse Vertrautheit ein.
Gemeinsam war uns auch die Sorge um die Zukunft der bodenständigen Luftverteidigung unseres Landes. Ob es sich Deutschland leisten kann, in Zukunft gänzlich ein "Haus ohne Dach" zu sein, müssen die politischen und militärischen Eliten noch schlüssig beantworten.
Wir hätten noch stundenlang miteinander reden können, aber irgendwann schließt jedes Lokal. Danke unseren Gastgebern, danke auch unseren Ehefrauen, die wie immer an unserer Seite aushielten.

Zum Abschluss betonte Oberstleutnant Herpich, dass die Begegnung sehr interessant und erfolg-reich war und man so etwas wiederholen müsse. Es gab auf beiden Seiten große Zustimmung. In ersten Überlegungen wurde an den Monat Oktober 2011 und den Standort Neubrandenburg gedacht.



Bernd Biedermann und Siegfried Horst übergeben Oberst Kuhle Bücher aus ihrer Feder

Als sichtbare Anerkennung und als Dank haben wir mehrere Exemplare des Buches "Die Fla-Raketentruppen der Luftverteidigung der DDR" sowie weitere Publikationen zur NVA übergeben.

Alles Gute den FlaRakies der Bundeswehr und auf ein Wiedersehen in einem ähnlichen Kreis.

Text : Bernd Biedermann
Bilder : Peter Kraus und Siegfried Horst

Weitere Bilder zum Treffen sind in der Fotogalerie unter private Bilder zu finden.

 
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