Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

DER VERGLEICH ?
MIM 104 "Patriot" vs. S-300 PMU "Favorit"


Der Versuch einer Gegenüberstellung
von Dipl.rer.mil.Ing. Siegfried Horst, Oberst a.D. (01.10.2009)

Von zahlreichen Usern wurde der Wunsch geäußert, man möge einen Vergleich zwischen den heute aktuellen Flugabwehrsystemen Russlands und der USA vornehmen. Ein frommer Wunsch, denn es gibt nur wenige auf der Welt, die das können und ohne Voreingenommenheit tun könnten. Der Autor hat zugängliche Fakten aller Art gesammelt und im folgenden Teil zusammengestellt. Wer interessiert ist, kann diese Fakten nutzen und sein eigenes Urteil erarbeiten.

Als erstes noch eine Anmerkung zur Entwicklung von Flugabwehrsystemen in den beiden Staaten USA und Russland. Beide Länder verfügen über umfangreiche Erfahrungen bei der Entwicklung solcher Systeme. Das belegen solche Typenbezeichnungen wie Nike und Hawk auf der einen und S-75 (SA-2), S-125 (SA-3) und S-200(SA-5) auf der anderen Seite. Diese Systeme sind die Vergangenheit. Die Systeme Patriot und S-300 "Favorit" sind die Gegenwart, MEADS und THAAD sowie S-400 "Triumph" könnten die Zukunft sein.

Modernisierungsgrad der Jahre 2007 und 2008. Beide Systeme sind vergleichbar. Sie basieren auf dem gleichen technologischen Stand der Elektronik und verwenden ähnliche Wirkprinzipien. Der Vorteil Russlands gegenüber den USA besteht in den größeren Erfahrungen in der massenhaften Produktion und im massenhaften Einsatz bodengestützter Flugabwehrsysteme. Etwas ähnliches wie das Diensthabende System der bodenständigen Luftverteidigung des Warschauer Vertrages, das auch heute noch in Russland existiert, gab es in den NATO-Staaten nur eingeschränkt. Die USA setzten in ihrer Militärdoktrin auf die Schlagkraft ihrer Fliegerkräfte zu Lande und zu Wasser auch für die Abwehr feindlicher Fliegerangriffe. Die bodengestützte Abwehr mit Flugabwehrsystemen ist für sie ein ergänzendes Element der Verteidigung. Die sowjetischen Militärs haben den Verlauf und die Ergebnisse des 2.Weltkrieges sehr gründlich analysiert. Für die Entwicklung einer zukünftigen Luftverteidigung wurden folgende Grundsätze aus den Erfahrungen des Krieges abgeleitet.
Erstens: Ein möglicher Gegner setzt auf massive Luftschläge zum Erreichen seiner Ziele.
Zweitens: Die Luftverteidigung muss in der Lage sein, in allen Höhen- und Geschwindigkeitsbereichen auf geringe und große Entfernungen gegnerische Ziele auch unter den Bedingungen des Einsatzes vom Massenvernichtungsmitteln zu vernichten und drittens: Die Luftverteidigung soll den Gegner im Zusammenwirken mit anderen Waffengattungen und Teilstreitkräften abwehren. Diese drei Grundsätze bestimmten und bestimmen die Entwicklung der sowjetischen/russischen Luftabwehr

 
Strukturschema "Patriot"
Phased Array Tracking Radar to Intercept of Target
 

Stromversorgung Richtfunkgruppe Radar Set Feuerleitstand Startgeräte
 
Strukturschema S-300 "Favorit"
 
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Erprobungen und Gefechtseinsätze

Patriot

Die ursprüngliche "MIM-104A Patriot" ist eine Flugabwehrrakete zur Bekämpfung gegnerischer Bomber und Jagdbomber. Auf deren Basis wurde schrittweise eine Raketenabwehrrakete entwickelt, die Patriot Advanced Capabilities (PAC). Erste Varianten sind die MIM-104B Patriot PAC-1 aus dem Jahre 1988, die MIM-104C Patriot PAC-2 von 1990 und die 1995 eingeführte MIM-104D Patriot PAC-2 GEM (Guidance Enhanced Missile) mit verbessertem Lenksystem. Die neueste Version MIM-104E Patriot PAC-3 befindet sich noch in der Erprobung. Die PAC-2 transportieren einen 91 kg schweren Splittergefechtskopf über eine Entfernung von maximal 160 km. Sie erreichen mit einer Geschwindigkeit von Mach 5 eine maximale Höhe von 24 km. Ein Bataillon gliedert sich in der Regel in sechs Batterien mit jeweils acht Werfern a 4 Raketen. (18) Weil bei den Raketen nicht genannte Probleme auftraten, startete die US Army im März 2000 eine weltweite Rückrufaktion. (19)Zur Flugabwehr verfügen die israelische Luftverteidigung normalerweise über vier Batterien Patriot PAC-2 mit insgesamt 128 Raketen, von denen eine Einheit von der deutschen Bundesregierung zur Verfügung gestellt wurde. Die Einheiten sind in Arad, Eilat, Haifa und Tel Aviv stationiert. (20) Die Batterie in Arad ist u.a. für den Objektschutz des Atomreaktors in Dimona in der Negev-Wüste zuständig. Angesichts des drohenden 2. Golfkrieges stellte Israel mit US-Hilfe im Sommer 2002 kurzfristig drei weitere Batterien mit PAC-2 oder PAC-2 GEM in Haifa, Gedera und Eilat auf. (21) Außerdem erhöhten die amerikanischen und israelischen Streitkräfte ihre Übungstätigkeit: Im Januar/Februar 2001 verlegte das 52nd Bataillon der 69th Air Defense Artillery Brigade aus Ansbach (BRD) in die Negev-Wüste, um am jährlichen Manöver JUNIPER COBRA teilzunehmen. (22) Anfang diesen Jahres lieferten die USA Israel ein neues Frühwarnradar zur Erfassung von Raketenangriffen. (23)

 

Start einer Pariot-Rakete bei einer Schießübung der NATO auf Kreta

300 Favorit

Im September-Oktober des Jahres 2008 wurde auf dem Schießplatz der Volksarme der Volksrepublik China in Übereinstimmung mit einem früher geschlossenen Vertrag zur Lieferung des FRS "Favorit" (S-300 PMU2 und der Rakete 83M6E2) zwischen China und Russland eine Kontrollerprobung der Systeme mit Gefechtsschießen durchgeführt. Die Erprobung erfolgte auf aerodynamische und ballistische Ziele. Es waren Flugzeuge der taktischen und strategischen Fliegerkräfte auf Gegen- und Verfolgungskurs, operativ-taktische ballistische Raketen, kleine taktische ballistische Raketen und tieffliegend Ziele. Die Schießen auf Zielscheiben der taktischen und strategischen Fliegerkräfte wurden unter den Bedingungen der Funkelektronischen Gegenwirkung durchgeführt. Alle Ziele konnten mit den vorgesehenen Raketen vernichtet werden

Die Schießen und die Resultate
Die Kontrollerprobung des FRS "Favorit" wurde auf dem chinesischen Schießplatz Zsju Zjuan mit dem Ziel durchgeführt, die Charakteristik der nach China gelieferten Systeme zu überprüfen. Vor der Erprobung durch eine Gefechtsbesatzung der VA Chinas wurde mit Unterstützung von Spezialisten aus Russland die Kontrolle der Bereitschaft der Technik zum Erprobungsschießen und die Unterrichtung der chinesischen Gefechtsbesatzung durchgeführt. Die Erprobungsexperimente wurden auf fünf Typen von Zieldarstellungsmitteln mit vier FRK des Typs S-300 PMU2 und Raketen des Typs 48N6E2 ausgeführt. Als Mittel der Führung wurde die SU 83M6E2 eingesetzt.

 
Start einer Rakete 48N6E2 Die Mehrzweck-Raketenleitstation 92N6E Zielscheibe für strat. Fugzeuge
nach dem Beschuss

Bilanz und Schlußfolgerungen

Zur Erprobung in China wurden vier Fla-Raketensysteme S-300 PMU2 eingesetzt. Bei den fünf experimentellen Schießen konnten alle Ziele mit den festgelegten Raketen vernichtet werden. Nach Beendigung der Kontrollerprobung fasste der Stellvertreter des Oberkommandierenden der LSK der chinesischen Volksarmee den Entschluss zur Durchführung eines zusätzlichen Erprobungsschießen ohne Teilnahme der russischen Spezialisten. Zur Erprobung wurden die FRS Nr. 1 und 3 eingesetzt. Für jedes System kamen vier Zielscheiben in allen Höhen zum Einsatz. Es wurde mit Raketen des Typs 48N6E geschossen. Alle Ziele wurden vernichtet.

 
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