Die Luftverteidigung der DDR bis 1990


Wer verkaufte den ersten S-300 an die USA?


von V. Schurigin

übersetzt von Peter R. Stefezius

In den letzten Wochen des Jahres 1993 loderte ein heftiger Skandal um den Verkauf eines der neuesten Fla-Raketensysteme S-300PMU durch Weißrussland an die Amerikaner auf. Gegen Weißrussland tönte die Anklage "unpatriotisch", "Vaterlandsver- räter", "unloyal" gegenüber Russland und GUS.
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Fakt ist, einer der Komplexe S-300 PMU, die sich in Minsker Hochschule der Fla-Raketentruppen befanden, wurde an die USA verkauft und auf eine ihrer Militärbasen ausgeführt. Das Interesse der Amerikaner am S-300 ist verständlich. Ist doch der in aller Welt gepriesene "Patriot" in vielen Gefechtseigenschaften erheblich unterlegen, und demzufolge konnten sie nicht ruhig schlafen. Den Kampf gegen den S-300 begannen die Amerikaner bereits zu Sowjetzeiten, in dem sie ihre Lobby in Regierung und Politbüro nutzten, das Verbot des Verkaufs dieses Komplexes an Länder mit "totalitärem Regime" wie Libyen, Irak, Nordkorea durchzusetzen. Gorbatschow schlug bereitwillig die Hacken zusammen und der Verkauf der Exportvariante des Komplexes wurde eingefroren.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion machten sich die Amerikaner ernsthaft darüber Gedanken, wie sie diesen Komplex in ihre Hände bekommen könnten, um ihn gründlich zu studieren und Varianten des Kampfes gegen ihn zu entwickeln. Hierbei kam ihnen Schuschkjewitsch sehr zu Pass.

Unlängst zugegangene Informationen lassen uns dieses Geschäft ganz neu sehen. Laut Vertrag mit Weißrussland hatte letzteres das Recht zum Verkauf neuester Waffensysteme nur mit Zustimmung Russlands. Das Geschäft mit dem S-300, so hat sich gezeigt, erfolgte mit Billigung Russlands. Kenner versichern, dass im Dokument die Erlaubnis des Stellvertreters des Verteidigungsministers Andreij Kokoschkin und des früheren Chefs des Stabes Michail Kolesnikow stehen.

Mit anderen Worten Weißrussland ist in keiner Weise an diesem Vorgang schuldig. Die gesamte Verantwortung tragen die russischen Beamten Kokoschin und Kolesnikow. Mit ihrem Einverständnis verschwand der S-300 nach Amerika.
Vor kurzem ist einer der Konstrukteure des S-300. der auch an der Entwicklung des neuen Komplexes S-400 beteiligt war, in die USA gereist und hat dort seinen ständigen Wohnsitz genommen.
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Ja so ist das im Leben, liebe Fla-Raketenmänner und FlaRakies, "Informanten" gibt es zu allen Zeiten und auf allen Seiten.

 
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