Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

Statistik der Gefechtseinsätze der FRT in Vietnam und im Nahen Osten


(gekürzte Übersetzung aus dem Russischen) Quelle : BKO 6/2005

Die Ergebnisse der Gefechtshandlungen der FRT gehörten zu den großen Geheimnissen, die nur wenige kannten, denn aus ihnen konnten und mussten wichtige Schlussfolgerungen über die Wirksamkeit des Einsatzes von Mensch und Material beider Seiten abgeleitet werden. (S.H.)

In den lokalen Kriegen wurden tausende Fla-Raketen auf den Luftgegner abgefeuert.

Die Analyse der Resultate und Bedingungen der durchgeführten Starts von FAR gibt die Möglichkeit, die Angriffsmittel des Gegners und der Einsatzverfahren jener Zeit zu bestimmen und charakteristische Methoden des Gefechtseinsatzes der FRT zu betrachten.

Die Fla-Raketentruppen Vietnams hatten in der betrachteten Periode der Gefechtshandlungen (1965 - 1973) über FRK SA-75M, die FRT in Ägypten und Syrien nutzten FRK der Typen SA-75 MK, S-75, S-75 M, und S-125.

Unter den durch die FRT vernichteten Kampfflugzeugen der USA und Israels befanden sich 76 % moderne Kampfmaschinen (F-111, F-4, A-7 und andere). Die allgemeinen Ergebnisse der Gefechtseinsätze der FRT sind in der Tabelle 1 dargestellt.

1965 - 1968

Zu Beginn des Einsatzes der FRT verwirklichten diese in Anbetracht der geringen Anzahl ihre Schläge auf den Luftgegner durch plötzliches Handeln aus dem Hinterhalt. In dieser Periode konnten die amerikanischen Fliegerkräfte keine wirksamen Gegenmaßnahmen gegen die FRT verwirklichen und erlitten bedeutende Verluste.
Die Resultate der ersten Kämpfe waren nicht zum Nutzen für die LSK der USA. Die Führung erhielt Anregungen zur Veränderung der Auffassungen über den Gefechtseinsatz der Fliegerkräfte. Im weiteren entwickelten sich die Bedingungen der Gefechtshandlungen in Richtung : Erhöhung der Anflugdichte, Ausnutzung geringer und extrem geringen Flughöhen, Einsatz von funkelektronischen Gegenmaßnahmen, Manöver gegen die Feuerleitung und das Schießen; Organisation der Niederhaltung der FRT durch Raketen- und Bombenangriffe.

ie Analyse der Schießen zeigt, dass die Effektivität der Schießen unter einfachen Bedingungen bei 0,69 - 0,89 lag. Mit der Zunahme der schwierigen Bedingungen ( manövrierende Ziele, Ziele unter Störungen, u.a.) ging die Effektivität der Schießen deutlich von 0,87 auf 0,35 zurück. Auch der Einsatz von Drohnen der Typen PQM-34 des Typs 147 j, c, f war erfolgreich.

Die Effektivität der Schießen wurde vor allem auch durch die massiven Schläge mit speziellen Fliegergruppen zur Niederhaltung und Zerstörung der FRA deutlich verringert.
Die Komplizierung der Schießbedingungen beeinflusste die Besonderheiten der Gefechtsarbeit des Personals der FRA. War zu Beginn 1965 die Hauptbegleitart der Ziele unter Funkmeßstörungen zu 29 % die Handbegleitung (RS) so wurden 1968 schon 85 % der Schießen so durchgeführt. Die Ergebnisse der Schießen unter diesen Bedingungen der Handbegleitung waren unmittelbar von den subjektiven Fehlern der Funkorter und damit vom Grad ihres Ausbildungsstandes abhängig.
Der Einsatz von Manövern gegen das Schießen führte dazu, dass die Bekämpfung der Ziel an der fernen Grenze der Vernichtungszone nicht mehr erfolgreich war. Das Manöver zum Ausweichen in extrem geringe Höhen führte zur Veränderung des Betriebsregimes der Raketenleitstation (RLS) nach dem Start der Raketen und damit zur Verminderung der Effektvität des Schießens. Der Einsatz von Anti-Funkmeßraketen durch den Gegner erforderte ein neues Reglement für die Abstrahlung der hochfrequenten Energie der RLS in den Raum.

Die Komplizierung der Luft- und Störlage erforderte einen Komplex taktischer und technischer Maßnahmen zur Erweiterung der Gefechtsmöglichkeiten der Fla-Raketenkomplexe und neuer Methoden des Gefechtseinsatzes sowie die Verbesserung der Gefechtsausbildung des Personalbestandes.

1965 wurde ich als junger Offizier nach der Offiziersschule in die Dienststellung eines Leitoffizier in einer FRA SA-75 eingesetzt. Ich war während der Gefechtshandlungen als Leitoffizier dafür verantwortlich, dass die Ziele rechtzeitig aufgefasst wurden, die Funkorter diese Ziele exakt begleiteten, die richtige Leitmethode eingestellt, die Sicherheitsstufen vor dem Start der Raketen aufgehoben wurden und der Start der Raketen richtig erfolgte. Eine Analyse der Handlungen des Leitoffizier bei der Bekämpfung eines Zieles ermittelte, das dieser in 60 Sekunden 18 - 25 Tätigkeiten ausführen musste. Wenn die Bekämpfung in der garantieren Vernichtungszone erfolgen sollte, dann mussten diese Tätigkeiten in 30 Sekunden ausgeführt werde. Die Möglichkeiten zur Ausbildung der Funkorter und Gefechtsbesatzung waren anfangs sehr begrenzt. Die Begleitgenauigkeit der Funkorter als wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung eines Zieles wurde mit primitiven Mitteln der Imitationsapparatur der RLS trainiert.
Im letzten Drittel der 60ziger Jahre wurde in den FRT der NVA ein Gerät aus dem Meßgerätewerk Zwönitz zur Aufzeichnung der Begleitgenauigkeit der Funkorter eingeführt. Es war die Weiterentwicklung eines EKG-Meßgerätes dieses Werkes. Erst durch die Einführung der Trainings- und Kontrollapparatur (TKA) aus sowjetischer Produktion, mit der die Gefechtsbesatzungen aller Typen von FRK trainiert werden konnten, erreichte die Gefechtsausbildung der schießenden Besatzungen, die erforderliche Qualität.
Die TKA gab es in allen Regimentern. Die Brigaden hatten zwei davon. Mit ihnen waren sechs verschiedene Ziele, die in allen Flugparametern einzeln steuerbar waren, darstellbar. Die Darstellung konnte mit allen möglich Funkmeßstörungen und Manövern für dreißig Minuten programmiert werden. Die Handlungen aller Mitglieder der Gefechtsbesatzungen, alle Schalterstellungen und Eingaben an der RLS wurden dokumentiert. Ein überlisten der Maschine war nicht möglich. Nach einer kurzen Einführungsphase führte die Nutzung der TKA zu einem Quantensprung in der Qualität der Gefechtsausbildung. (S.H.)

1969 - 1971

Die Aktivitäten der Israelischen Fliegerkräfte in der Suezkanal-Zone waren der Beginn des Gefechtseinsatzes der ägyptischen FRT. Neu in dieser Periode ist die Taktik des zusammengefassten Feuers zweier oder mehrerer FRA auf ein Ziel.

Die Ergebnisse der FRT in Ägypten zeigten deutlich, die israelischen Fliegerkräfte hatten aus den Verlusten der Amerikaner in Vietnam gelernt, hatten sich viel besser auf ihren Gegner eingestellt und der Ausbildungsstand der ägyptischen FRT war offensichtlich nicht der beste

Für die Erhöhung der Effektivität des Schießens wurde eine Reihe von neuen Maßnahmen eingeführt. Das Schießen auf manöverierende Ziele wurde ab sofort nur in der garantierten Startzone durchgeführt. Bei der Anwendung aktiver Funkmeßstörungen gegen die RLS durch den Luftgegener war die Entfernungsbestimmung nicht möglich. Diese Ziele wurden im Regime Handbegleitung aufgefasst und nach dem Höhen- und Seitenwinkel begleitet. Bei der Bekämpfung kam die Dreipunktmethode zum Einsatz. Durch die Anwendung aller dieser Gegenmaßnahmen durch die amerikanischen und israelischen Fliegerkräfte wurden die Gefechtshandlungen der FRT immer komplizierter und die verfügbare Zeit zur Bekämpfung der Luftziele immer kürzer.

Von Juli 1969 bis März 1970 führten die FRA 36 Schießen, vernichteten 8 Flugzeuge mit einer Effektivität von 0,22 und einem mittleren Verbrauch von 9,1 Rakete je vernichtetem Ziel. In dieser Periode erfüllten die FRT ihre Aufgabe nicht. Durch Schläge des Gegners wurden 19 FRA außer Gefecht gesetzt.
Die Analyse von 72 erfolglosen Schießen zeigt : in 46 Fällen (63,8%) war die Arbeit der Gefechtsbesatzungen die Ursache, in 13 Fällen waren Ausweichmanöver gegen die Raketen mit mehr als 8g die Ursache, in zwei Fällen wurden die FRA während des Schießens außer Gefecht gesetzt, in einem Fall kam es während des Schießens zum technischen Ausfall der RLS und in 10 Fällen war die Ursache nicht feststellbar.

Die Schießen der FRA S-125 wurde bei automatischer Begleitung der Ziele durchgeführt, der Einsatz aktiver Störungen und Manöver gegen das Schießen hatten keinen bedeutenden Einfluß auf die Ergebnisse. Der Einsatz der FRA S-125 war eine Überraschung für den Gegner.

Die Anzahl der Raketen, die unter verschiedenen Schießbedingungen auf ein Ziel geschossen werden soll. wird in zahlreichen Erprobungsschießen ermittelt und ebenso wie die anzuwendenden Leitmethoden in den Schießregeln für jeden FRK festgelegt. Mit der Anwendung von Raketenausweichmanövern durch die gegnerischen Fliegerkräfte wurde die Zeitbilanz für die Durchführung eines Schießen auf den Kopf gestellt. Das Schießen wurde immer mehr zu einem Zwei-Kampf zwischen Flugzeugbesatzung und der Gefechtsbesatzung der FRA. (S.H.)

Wie die Übersicht zeigt wurden die verbesserten Ergebnisse durch die bessere Ausnutzung der Gefechtmöglichkeiten erreicht, ungeachtet der Tatsache, dass das arabische Personal die Nutzung des optischen Visiers bei einer komplizierten Luft- und Störlage nicht beherrschte.

Grundlegende Ursachen für erfolglose Schießen in der vierten Periode waren :

  • unzureichende Gefechtsausbildung der Gefechtsbesatzungen der FRA,
  • Zulassung von Verletzungen der Schießregeln,
  • fehlende Fertigkeiten der Funkorter zur Handbegleitung manövrierender Ziele,
  • und zum Erkennen von Festzielen und Funkmeßfallen,
  • der geringe technische Ausbildungsstand des arabischen Personals,
  • die unzureichende Fertigkeit zur ständigen Aufrechterhaltung der technischen Einsatzbereitschaft und Gefechtsbereitschaft,
  • ungenügende Anwendung des Systems zur Selektion beweglicher Zielen zur Unterdrückung der Festziele beim Schießen in extrem geringen Höhen u.a.m.

Die Handlungen der FRT in Vietnam und im Nahen Osten zeigen, dass sie ein wesentliches Element der Luftverteidigung sind und die vorhandene Fla-Raketentechnik in der Lage war unter verschiedenen klimatischen und geografischen Bedingungen erfolgreich zu handeln. Von großer Bedeutung ist der menschliche Faktor. Nur durch konsequente Gefechtsausbildung der Gefechtsbesatzungen der FRA und ständige Modernisierung der Fla-Raketentechnik und der Methoden des Gefechtseinsatzes ist erfolgreiche Luftverteidigung möglich.

Andrej Michailow

 
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