Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

Erinnerungen 2

Die EK-Bewegung

Die Fla-Raketenabteilung war so organisiert, dass derjenige, der durch das Kasernentor einzog völlig unabhängig von der Außenwelt leben konnte. Aber das wollte niemand.
Ausgang wurde für die Soldaten und Unteroffiziere nach Vorschrift gewährt. Doch wohin ? Nach dem Dorf zu gehen war wenig lukrativ und endete oft in Schlägereien mit der Landjugend. Nach Cottbus brauchte man Standorterweiterung und musste 45 Minuten mit dem Bus fahren. Also wurde sehr häufig auf der Stube gesoffen und Bambule veranstaltet. Zu dieser Zeit dauerte der Wehrdienst des Soldaten 18 Monate, also drei Diensthalbjahre zu je 6 Monaten. Unter Bambule verstand das 3. Diensthalbjahr bestimmte Übungen, die das 1. Diensthalbjahr ausführen musste oder denen es, wenn die Jungs nicht wollten, mit Gewalt unterzogen wurde. Wie schlimm solche Bambule ausarten konnte, hing von zwei Dingen ab. Einerseits von der Aufmerksamkeit der Vorgesetzten für vernünftige Beziehungen zwischen den Diensthalbjahren und vom vitalen Kräfteverhältnis zwischen den Halbjahren. Waren die jüngeren körperlich kräftiger als die Älteren gab es weniger Probleme, weil sie das sonst übliche abwehren konnten. Die größten Probleme gab es in jenen Einheiten in den die Vorgesetzten wie Hauptfeldwebel und Zugführer die Machtverteilung zwischen den Halbjahren nutzten, um Disziplin und Ordnung durchzusetzen. Hier gab es in der Regel niemanden, der die jungen Soldaten schützte. Wen diese Vorgänge interessieren, der findet auf Wikipedia eine ausführliche Beschreibung der angewandten Praktiken. Aus meinen Jahren im unmittelbaren Kontakt mit jungen Soldaten kann ich bestätigen, dass in den kleinen technischen Einheiten nicht solche Vorkommnisse zu verzeichnen waren wie in Einheiten und Truppenteilen in denen weniger intelligente junge Männer zum Einsatz kamen. Wo eher nach dem Faustrecht der eigene Platz in der Gruppe erkämpft wurde. Besonders stolz bin ich auf den Brief, den mir im Herbst 1968 meine zur Entlassung stehenden Funkorter, Volker Vogel und Siegfried Mechler, übergaben. Dem Brief war das EK-Bild der Funktechnischen Kompanie beigefügt.

Das war eine deutliche Auszeichnung durch die scheidenden Soldaten. Wir hatten miteinander manchen Strauß ausgefochten, aber es galt zwischen uns der Grundsatz: Einer für alle und alle für Einen. Sie wussten alle, der Leutnant lässt nichts durchgehen, aber er ist gerecht.


 
© (2009-2012) www.lv-wv.de