Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

April 1955: "Wenn denn schon, dann nur nach Kamenz!"
- Mein 35 Jahre andauernder "spezifischer" Weg von Kamenz
durch die Luftstreitkräfte


Autor: Walter Hundt, Prof. em. Dr. phil. habil.,
Direktor a.D. des Brandenburgischen Entwicklungspolitischen Institut (BEPI),
Oberst a.D. (Luftstreitkräfte)

Mit dieser kategorischen Forderung wurden Weichen für mein weiteres Leben gestellt. Sie war die Entgegnung auf die während der Musterung vom Torgauer Kreisarzt Dr. Dohm getroffene Festlegung "Lehrer, Kreisschulamt, Intelligenz - also Nachrichten." Auch seine Warnung "Kamenz? Dann müssen Sie aber drei statt zwei Jahre machen" brachte mich nicht von meinem Standpunkt ab, hatte mich doch die Militärluftfahrt schon als Pimpf in der Hitlerjugend während des Krieges interessiert, was sich auch in meinem Bücherschrank niederschlug. Jetzt ging es um meine Haltung zur Aktion der allmächtigen Partei "Lehrer in die KVP" im April 1955 , die das allgemeine Bildungsniveau in der Truppe erhöhen sollte und in der ich als "Auftaktlehrer" vorgesehen war, der alle Lehrer meines Kreises im entsprechenden Alter "mitreißen" sollte. Leider waren fast alle "krank", so daß wir nur zwei waren, die dem Ruf der Fahne folgten.
Unter uns Neuuniformierten der April-Tage befanden sich in Kamenz und Bautzen eine ganze Reihe, die später die Entwicklung der Offiziershochschule Kamenz maßgeblich beeinflußten wie Sigmund Jähn, Alois Zieris, Willi Faulborn und Siegfried Knauf. Mir prophezeite der mich in der Eisenbahn nach Kamenz begleitende Oberleutnant vom Wehrkreiskommando Torgau, er vermute, daß ich sehr bald als neugebackener Unterleutnant zu Hause auftauchen würde, was ich für absolut undenkbar und nicht beabsichtigt hielt.

Im gesamten Objekt - so unser Eindruck - gab es nur den Dienstgrad Flieger. Nur der Kompaniechef und unser Zugführer Hentschel , der sich bald als pädagogisch und militärisch recht geschickt herausstellte, waren gerade Unterleutnant geworden. Dann sollte es da noch irgendwo unseren Bataillonschef Hauptmann Zwiener und dessen Stabschef Oberleutnant "Sascha" Messing geben.
Psychologisch nicht ungeschickt wurde am neuen Image der jungen Fliegerei gebastelt. Alle waren plötzlich ganz stolz auf das Blau der Uniformspiegel und -schulterstücke, auf den Dienstgrad Flieger (nicht Schütze!) und auf das Gerücht, daß wir nach der Quasi-Vereidigung am 1. Mai zum "2. Jagdfliegerregiment" des 2. Aeroklubs des MdI gehören sollten. Der scharfe Dienstbetrieb in der Kaserne mit den DV 10/1 und 10/3, im Gelände und bei den Gewaltmärschen durch die Lausitzer Dörfer mit den vielen Kruzifixen machte mir erstaunlicherweise Spaß. Sogar einige weibliche Soldatinnen sah man ab und an, und "drüben", in der durch eine Mauer von uns getrennten Fliegerschule sollte es die legendäre Fluginstrukteurin Iris Wittig geben, die keiner bisher gesehen hatte, aber alle wußten plötzlich, daß sie eine kühne Fliegerin sei und als einzige deutsche Frau eine MiG-15 UTI geflogen hatte. Nach wenigen Tagen löste Zugführer Hentschel den arroganten und zur Schleiferei neigenden, schon etwas länger dienenden Zughelfer Flieger Kempf ab und befahl die Übernahme dieser Dienststellung durch mich, was mich ein wenig verwunderte.
Meine erste "Beförderung"!

Für kurze Zeit öffnete sich am 1. Mai die Tür zur "Wunderwelt Fliegerschule" hinter der Mauer und eine Jak-18 wurde andächtig bestaunt. Viele von uns hofften auf eine Laufbahn auf dieser Seite der Kasernenmauer, was sich teilweise allerdings als illusionär erweisen sollte. Selbst der Flugplatz- schäfer - ein Feldwebel, der mit seiner Herde für die stets ebene Start- und Landebahn verantwortlich war, schwärmte uns davon etwas vor. Verwunderung rief bei uns hervor, daß es Leute wie Oberst Herz und Major Schönfeld in der Dienststelle gab, die wenig Deutsch sprachen und an Feiertagen sowjetische Uniformen trugen. Auch die für die Kamenzer Einwohner ganztags sichtbaren Maschinen, in denen die deutschen Flugschüler für die Bevölkerung sichtbar flogen, trugen zu dieser Zeit noch sowjetische Hoheitsabzeichen. Es verging aber keine Ausgangs- oder Urlaubsbelehrung, bei der wir nicht vergattert worden wären, daß in den Gaststätten oder in der Bahn nicht davon erzählt werden dürfe, daß wir Flugzeuge hatten.
In einer ersten Dienstversammlung machte ich die Bekanntschaft mit den beiden Chefs der Aeroklubs, Generalmajor Zorn und Oberst Franke, die auf uns einen sehr sympathischen Eindruck machten. Ende April tauchte ein junger Unterleutnant auf und übermittelte mir den Befehl zu einem Gespräch mit Oberst Leopold, dem Chef der Fliegerschule, und einem seiner Mitarbeiter, Oberleutnant Tanzberger, worüber ich außerordentlich erstaunt, auch ein wenig erschrocken war, aber ich war mir keiner "Sünde" bewußt. Im Gespräch ging es um einen gedanklichen Anstoß, über eine Verlängerung meiner dreijährigen Verpflichtung nachzudenken, eventuell auf einem stark verkürzten Weg Offizier zu werden und bis zur Klärung der Angelegenheit mich darauf einzurichten, eine pädagogische Qualifizierung für die jungen Absolventen der Fliegerschule durchzuführen, die sich gerade darauf einstellten, als Leiter von militärischen Kollektiven zu handeln, ohne darauf vorbereitet zu sein. Ich sagte schließlich diesen Überlegungen zu, mußte aber bei der Umsetzung feststellen, daß man vergessen hatte zu regeln, wie ich die Vorbereitung und Durchführung der Pädagogik-Vorträge mit meiner Dienstdurchführung zur eigenen militärischen Qualifizierung unter einen Hut bringen könnte. Was ich damals nicht ahnte: mit meinem Ja 1955 begann eine über 35 Jahre andauernde ständige und fruchtbare Beziehung zu den Luftstreitkräften, ihrem Kommando und seinen Verbänden und Einrichtungen, darunter die Kamenzer OHS, im aktiven und im Reservewehrdienst sowie auch in den dazwischen liegenden Perioden.
Aber eine fliegerische Ausbildung "nebenan" rückte zunächst erst einmal in weite Ferne. Eines Morgens stand ein bereits weitgehend besetzter Militärbus mit Kameraden aus Bautzen, Cottbus und wohl auch anderen Dienststellen auf dem Hof, und einige von uns standen auf einer Liste, die uns zu einem "Kadergespräch" an einem nicht genannten Ort kommandierte - quer durch die DDR, plötzlich an der bekannten sowjetischen Postenkette am Berliner Ring vorbei, am sowjetischen Ehrenmal in Treptow entlang in eine uns damals riesig vorkommende Kaserne mit vielen Gebäuden. Eigenartigerweise informierten uns die Gesprächspartner in den Einzelgesprächen lange Zeit überhaupt nicht über den Zweck unseres Hierseins. Stattdessen ging es um Westverwandtschaft, Kirchenzugehörigkeit u.ä., und man hatte das Gefühl, daß sie schon alles wußten. Am Ende stand der Vorschlag, den normalerweise 36 Monate dauernden Zyklus des Studiums an allen Offiziersschulen hier an der Offiziersschule Berlin-Treptow auf Grund unserer Vorbildung in 15 Monaten zu absolvieren - das allerdings unter außerordentlich harten Bedingungen.
Die Aeroklub-Gruppe betonte, daß wir Wert darauf legten, weiterhin Angehörige der künftigen Luftstreitkräfte zu bleiben, also die Waffenfarbe zu behalten und in den Taktik-Lehrfächern eine (im Gegensatz zu den aus den KVP-Einheiten angereisten Teilnehmern) diesbezügliche Aeroklub-bezogene Ausbildung zu erhalten. Dies wurde zugesagt, an das letztere mußte später noch oft erinnert werden. Mit der Gründung der NVA und der Bildung ihrer Luftstreitkräfte Anfang 1956 erhielten alle Kursteilnehmer der LSK und der Marine ihre ersehnten Uniformen. Während sich die Angehörigen der Landstreitkräfte monatelang auf die erste Truppenparade anläßlich des 1. Mai vorbereiteten, mußten Flieger und Matrosen - neben der Vorlesungstätigkeit und der praktischen Ausbildung - den wenig beliebten gesamten Wachdienst versehen, da unsere Uniformen, auf die wir so stolz waren, natürlich nicht in den Marschblock der Offiziersschüler der Schule paßten, die in der Mehrheit den Waffengattungen der Landstreitkräfte angehörten. Nach 15 Monaten konnte ich mit recht guten Ergebnissen das Offiziersexamen ablegen.
Aber die allgemeine internationale Entwicklung 1956 brachte eine Überraschung mit sich. Der Ministerrat der DDR beschloß im Juni, die vorgesehene Gesamtstärke der NVA von 120.000 auf 90.000 Mann zu reduzieren. Dies hatte auch Konsequenzen für die vorgesehene Stärke des Offizierskorps, woraus sich Schwierigkeiten für den Einsatz der zwei Tage vor der Beförderung zum ersten Offiziersdienstgrad stehenden Absolventen ergaben. Den von völliger Konzeptionslosigkeit zeugenden Vorschlag, daß alle noch ein zusätzliches Jahr für die weitere "Qualifizierung" an der Schule - teilweise eventuell später in Kamenz bzw. Stralsund - verbringen sollten, um danach endgültig die Zuerkennung zu erhalten, lehnten die meisten ab und folgten dem Angebot, in ihre zivilen Berufe zurückzukehren. 1958 erfolgte dann nach einem sogenannten "chinesischen Lehrgang" doch noch auf der Basis meines abgelegten Examens meine Beförderung zum Unterleutnant.

In der Folgezeit absolvierte ich in der Regel mehrmonatige Reservewehrdienste 1958, 1964, 1968, 1971, 1975, 1983, 1984 und 1989 sowie mehrfache Alarmierungsübungen in Geschwadern und in Stäben der 3. LVD, an der Militärtechnischen Schule Bad Düben, der OHS Kamenz und im Kommando LSK/LV sowie an der OHS für Ausländische Militärkader in Prora und im Militärgeschichtlichen Institut der DDR in Potsdam, was meiner eigenen militärischen Qualifizierung außerordentlich dienlich war. Besonders interessant waren jene Reservedienste, bei denen auf Weisung des Kommandos eine Dreiteilung der 8 Wochen Dienstzeit erfolgte: 1. Einzelqualifizierung durch Offiziere der Sektionen der OHS Kamenz, um mich annähernd mit Neuerungen der letzten Jahre auf den Gebieten Jagdfliegerkräfte, Fla-Raketen-Truppen und Funkmeßtechnik vertraut zu machen; 2. operative Tätigkeit in einer Praxisfunktion; 3. persönliche Lehr- und Vortragstätigkeit auf meinen eigenen Fachgebieten. Die Teilnahme an Flugtagen in den Geschwadern und die Berechtigung zur Benutzung der "Urlaubsflieger" An-2 zwischen den entlegenen Truppenteilen und Strausberg jeweils am Wochenende war eine technisch interessante Abwechslung. Nur zweimal mußte ich mich beschwerdeführend an General Keßler wenden, als das für mich zuständige WKK mich als Panzerabwehr-Zugführer in einer MSD bzw. - in der Annahme, ich sei Mediziner - als Stellvertretenden Chefarzt des Luftstreitkräfte-Lazaretts 33 in Prenzlau einberufen wollte, was mir durch entsprechende Befehle Keßlers erspart blieb.
Zwischen den einzelnen Einberufungen leistete ich in den verschiedensten Dienststellen eine umfangreiche Lektions- und Vortragstätigkeit zur Thematik der Dritten Welt im allgemeinen und zur Rolle der Streitkräfte der Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas im besonderen. Dies wurde vor allem begünstigt durch meine Tätigkeit anfangs am Internationalen Institut der Gewerkschaftshochschule und nach dem Ende der Hallstein-Doktrin am Institut für Internationale Beziehungen, der Diplomatenakademie der DDR, durch die damit verbundenen zahlreichen Auslandseinsätze in Entwicklungsländern im Auftrag des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, des Zentralen Rates für Asien-, Afrika- und Lateinamerika-Wissenschaften, des Solidaritätskomitees der DDR und der Liga für Völkerfreundschaft, die mich oftmals mitten hinein in Krisenherde und Konfliktzonen, also in die vorderste "Frontlinie" führten.
Die Palette reichte von der Gesellschaftswissenschaftlichen Weiterbildung (GWW) in den Kommandos aller vier Teilstreitkräfte und deren Offiziershochschulen über die sogenannten "GWS-Schulungsgruppen Stellv. Minister" der Teilstreitkräfte (besonders nachdem Reisen der Generalität in Länder der Dritten Welt zunahmen) bis zur Militärakademie, zur PHV, zur Verwaltung Internationale Verbindungen, zur 10. Verwaltung und zur Verwaltung Aufklärung sowie verschiedenen Ausbildungsformen der Militärattachés, u.a. an unserem eigenen Institut. Daneben konnte ich tätig sein als wissenschaftlicher Gutachter an den akademischen Einrichtungen aller Teilstreitkräfte der NVA sowie am Militärgeschichtlichen Institut und als langjähriger Autor der Zeitschriften "Militärgeschichte" und "Militärwesen", besonders durch die mehrere Jahre gut laufende Serie "Streitkräfte in den Ländern der Dritten Welt". Diese Arbeit machte außerordentlichen Spaß, weil man spürte, daß man ein gerngesehener Partner war und weil sie mir selbst stets neue Kenntnisse und Erkenntnisse brachte, die ich auch in der Ausbildung meiner deutschen und ausländischen Studenten und Doktoranden anwenden konnte. Bei einem Besuch Minister Keßlers an unserem Institut, bei dem ich in Uniform als sogenannter Ehrenbegleiter zu fungieren hatte, meinte er: "In unserem Ministerium vertreten die, die es wissen müssen, die Auffassung, daß es in der ganzen NVA keinen höheren oder mittleren Offizier gibt, der nicht durch die Vorträge von Walter Hundt über die Dritte Welt gegangen ist." Natürlich machte mich das stolz. Lustig und ein wenig kurios fand ich es, daß mir am 1. März 1983 am gleichen Tag die Verdienstmedaille der NVA zweimal - in zwei verschiedenen Stufen - verliehen wurde. Gefreut habe ich mich auch, als mir zum 20. Jahrestag der Gründung der OHS Kamenz und der Namensverleihung "Franz Mehrung" die Festschrift und gleichzeitig erste Chronik im Namen des Kommandeurs überreicht wurde.
Durch diese Tätigkeit war recht bald das Gefühl einer festen Zugehörigkeit zu den betreffenden Kollektiven entstanden, die sich vielfach sogar bei bestimmten Anlässen auf die Familie erstreckte. In dieser Zeit habe ich ausnahmslos alle Dienstgrade vom Offiziersschüler bis zum Oberst durch- laufen. Was die OHS Kamenz betrifft, so erinnere ich mich gern an die Zusammenarbeit mit den Obersten Hans Rölz und Georg Tietzen sowie Oberstltn. Oskar Spitzer, im Kommando mit den Generalmajoren Dr. Gerd Weber und Dr. Sigmund Jähn, mit dem ich heute noch guten Kontakt habe, mit Generalleutnant Rolf Berger sowie mit verschiedenen LVD- und Geschwader-Kommandeuren und zahlreichen anderen Freunden.

Mit dem, was ich bei den Luftstreitkräften und nicht zuletzt während meiner erwähnten individuellen Unterweisungen an der OHS Kamenz gelernt habe, konnte ich im späteren Leben manchen verblüffen. So gab es gemeinsame Erinnerungen an Teile des Lehrstoffs, als wir mit einer Crew unter Flugkapitän Günter Erhart, die ich von der Armeezeit kannte, im August 1984 mit der Il-18 DM-STE der Interflug im Cockpit während des Anflugs auf den in einem Kessel gelegenen Flughafen Kabul von den umliegenden Bergkämmen Raketenfeuer der sogenannten Mujahedin mit US-Stingers und von der Sowjetarmee erbeuteten Strela 2M erhielten und die Magnesiumfackeln das einzige Abwehrmittel waren. Unsere Ladung bestand aus Solidaritätsgütern für die afghanische Bevölkerung, die ich als Vizepräsident der Freundschaftsgesellschaft DDR-Afghanistan zu überbringen hatte. Während eines vorangegangenen Aufenthalts im Zusammenhang mit meiner Gastprofessur am Diplomatischen Institut in Kabul war es für mich und den 1. Botschaftssekretär zu einem beliebten Hobby geworden, am freien Freitag am Pool in unserer Botschaft zu liegen und die zahlreichen zumeist sowjetischen und afghanischen Flugzeuge am Himmel erkennungsdienstlich nach Typen anzusprechen. Erstaunt waren wir, daß wir beide unabhängig voneinander gewisse Fertigkeiten dabei entwickelten. Es stellte sich heraus, daß Ralf Leopold der Sohn des ersten Chefs der Kamenzer Schule, Oberst Otto Leopold, war und so als Kind in Kamenz mit der Fliegerei aufgewachsen war.
Verwunderung gab es auch beim sowjetischen außenpolitischen Chefberater in Kabul, Prof. Dr. Juri Kusnetz, als er mir sowjetische Flugzeugtechnik vorstellte und ich ihm erklären konnte, daß ich in Maschinen aller vorhandenen Typen zumindest am Boden schon einmal gesessen hatte. Bei einem Feldstudien-Aufenthalt im März 2009 in Ekuador, bei dem es unter einer größeren Gruppe von Touristen auch zu Debatten über die von der linken Regierung ausgesprochene kurzfristige Kündigung des US-Luftstützpunktes Manta an der Pazifikküste kam, gab es Erstaunen, daß ein Ostdeutscher ihnen die Materie erklären konnte. In einer Diskussion vor der Task Force Afghanistan der SPD-Bundestagsfraktion mit Hunderten von Teilnehmern im Roten Rathaus in Berlin konnte ich meine ablehnende Haltung zum Tornado-Einsatz und zum Einsatz von Maschinen des NATO E 3A Verbandes (AWACS) in Afghanistan (bei der ich so ziemlich alleine stand) vor allem durch die Untermauerung mit Kenntnissen über beide Einsatzkomponenten halbwegs überzeugend vortragen. Ähnliche Gelegenheiten ergeben sich auch immer wieder in Veranstaltungen mit leitenden Offizieren des Einsatzführungsstabes der BW (Auslandstruppen). Und ein letztes Beispiel für die Nützlichkeit dessen, was ich bei LSK/LV im allgemeinen und an der OHS in Kamenz im besonderen gelernt und zum Teil persönlich miterlebt hatte. Am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr in Potsdam hielt der Inspekteur der Luftwaffe Generalleutnant Stieglitz im November 2007 einen von mir mit Spannung erwarteten Vortrag zum Thema "Die Bedeutung von Geschichte und Tradition für die Luftwaffe im 21. Jahrhundert". Sehr begrüßt habe ich, daß dabei die ostdeutsche Seite nicht "ausgespart" wurde oder zu kurz kam, wie das so oft der Fall ist. Die eigene Ausbildung des fliegerischen und fliegertechnischen Personals der Luftstreitkräfte der NVA auf dem Territorium der DDR wurde dabei allerdings bestritten und die Fakten völlig verfälscht dargestellt. Das gab mir die Gelegenheit zu einem ausführlichen kritisch-korrigierenden Diskussionsbeitrag. Einer der westdeutschen Teilnehmer hatte sogar in Gesprächen mit mir behauptet, die DDR habe doch seines Wissens gar keine Luftstreitkräfte, keine fliegenden Einheiten gehabt.
Bei all diesen Auseinandersetzungen wurde mir stets bewußt, daß ich einer großen Zahl von Freunden, mit denen ich gemeinsam in der Teilstreitkraft gedient habe oder tätig sein konnte und die mir in meiner spezifischen Situation viel geholfen haben, zu großem Dank verpflichtet bin.
Damit schließt sich nach fast 55 Jahren der Kreis meiner Betrachtungen, die ich eingangs schilderte.

(Erschien im Frühjahr 2011 mit Fotos im Band "Geschichte und Geschichten
der Offiziershochschule Kamenz der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der NVA der DDR")



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