Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

Die Gefechtsausbildung in den FRT

Die Ausbildung erfolgte in der Nationalen Volksarmee in allen Teilstreitkräften nach gleichen Prinzipien. Sie gliederte sich in die Politische Ausbildung, die allgemeinmilitärische Ausbildung und die Spezialausbildung, die in jeder Waffengattung anders war.
In den Fla-Raketentruppen gliederte sich die Ausbildung der Soldaten in die technische Grundlagen- und Spezialausbildung, das Erlernen der Kontroll- und Wartungsarbeiten sowie die Gefechtsausbildung der Besatzungen und Bedienungen zur Beherrschung ihrer Pflichten im Gefecht.

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Kontrollarbeiten an der Technik

Diese Ausbildung war von Einheit zu Einheit einer FRA sehr unterschiedlich. In den Startbatterien wurde das Beladen der Startrampen in der Normzeit bis zur Perfektion geübt, ebenso das Herstellen der Transport- und der Gefechtslage der Startrampen. Das war verdammt schwere Arbeit.
Die Funkorter und Planzeichner der Aufklärungs- und Zielzuweisungsmittel erlernten die Ortung und Darstellung von Luftzielen für den Kommandeur. Für die Funkorter der Raketenleitstation, die ihren Arbeitsplatz in den Leitkabinen der FRK hatten, war das Begleittraining mehrmals wöchentlich die wichtigste Aufgabe. Von ihrer ruhigen und gleichmäßigen Handbegleitung bei verschiedensten Flugbewegungen der Ziele war die erfolgreiche Lenkung der Raketen zum Ziel mit geringster Abweichung abhängig . In den technischen Einheiten der FRA wurde das Montieren und Betanken der Fla-Raketen erlernt und bis zur sicheren Beherrschung geübt. Die Nachrichtensoldaten erlernten das Sicherstellen der Nachrichtenverbindungen über Draht, Richtfunk und Funk.

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Beladen einer Startrampe des FRK S-75

Die Kraftfahrer wurden meist als Zweitfunktion ausgebildet. Das war bei den verschiedenen Kfz.-Typen, die meist auch aus der Sowjetunion importiert wurden, nicht einfach.

Die Ausbildung der Technischen Abteilungen und Kompanien

Diesen Einheiten oblag die Sicherstellung der Gefechtshandlungen der FRA S-75 und S-200 mit Fla-Raketen. Sie wurden dazu in der Montage der Raketen und der Bestückung mit den Gefechtsteilen ausgebildet. Die Tankgruppen führten die Betankung mit Luft, hochgiftigem Treibstoff und aggressiven Oxydator durch.. Das waren gefährliche Tätigkeiten, die mit größter Konzentration ausgeführt werden mussten. Außerdem gehörte es zu ihren Aufgaben, die eingelagerten Fla-Raketen regelmäßig zu kontrollieren.

Das Feldlager der FRT

Ein Höhepunkt jedes Ausbildungsjahres der FRT war das Feldlager der Waffengattung auf dem Truppenübungsplatz in Lieberose. Dieses Feldlager absolvierte jede FRA S-75 und S-125. Hier konnte sehr effektiv geübt werden. Es wurden neue und komplizierte Verfahren zur Bekämpfung des Luftgegners geübt. Der Chef der Waffengattung war immer persönlich vor Ort und oft besuchte uns der Chef der LSK/LV. Das Feldlager fand jeweils in zwei Durchgängen mit der Hälfte der FRA der Truppenteile statt. Die Feldlager wurden für die Fla-Raketenabteilungen immer als taktische Übung durchgeführt.
Diese Übungen umfasste :

1. Etappe:Alarmierung der FRA, Abwehr von realen Zielen in der DHS-Stellung, Herstellung der Marschlage, Eisenbahn- Transport in den Raum Lieberose, Herstellen der Gefechtslage im neuen Raum des Truppenübungsplatzes.

 
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Feldmäßig in Zelten untergebracht   Kräftiges Essen durch die eigenen RD

2. Etappe:Gefechtsausbildung zum Herstellen der Geschlossenheit der Bedienungen und Besatzungen unter gefechtsnahen Bedingungen

 
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Starbatterie kämpft um beste Ergebnisse   Imitationsmittel unterstützen die Ausbildung

3. Etappe:Abnahme des Zustandes der Fla-Raketentechnik, des theoretischen Ausbildungsstandes und der Geschlossenheit der Gefechtsbesatzung bei der Bekämpfung realer Ziele ohne realen Start von Fla-Raketen.
4. Etappe:Herstellung der Marschlage, Rückverlegung im Eisenbahntransport, Herstellung der Gefechtslage in der DHS-Stellung und Übernahme der Gefechtsbereitschaft.

Besonderer Wert wurde auf die Gefechtsnähe der Ausbildung gelegt. Unter Gefechtsnähe verstanden wir die realistische Darstellung des Luftgegners durch wirklichkeitsnahe Störlagen und realistische Ausweichmanöver. Die Handlungen der Fliegerkräfte in den Kriegen im Nahen Osten und Vietnam wurden ausgewertet und realistisch nachgebildet. Wir kamen in unseren Analysen zum Ergebnis, dass es sich bei der israelischen Luftwaffe um sehr gut ausgebildete Flieger und sehr fähige Kommandeure handelte gegen die die arabischen Einheiten der FRT kaum eine Chance hatten. Durch Überraschung, Täuschung und Massierung ließen die Israelis den Arabern keine Chance ihre Waffen einzusetzen. Sehr wirkungsvoll wurden im Feldlager die Handlungen unter persönlicher Schutzausrüstung und Einsatz von Imitationsmitteln geübt.

Gefechtsschießen der FRT auf dem Staatspolygon der UdSSR in Aschuluk

Die FRA aller Typen und die Gefechtsstände aller Truppenteile führten regelmäßig als Höhepunkt der Gefechtsausbildung der FRT die Gefechtsschießen auf dem Schießplatz in Aschuluk durch. Die Gefechtsstände nahmen jährlich und die FRA jedes zweite Jahr daran teil. Auch die Gefechtsschießen mit realem Start von Fla-Raketen wurden als taktische Übungen für die Truppenteile durchgeführt.

1. Etappe:Verlegung der Einheiten über große Entfernungen von den Heimatstandorten auf das Staatspolygon der UdSSR.
Diese Etappe war im Verlaufe der Gefechtsschießen sehr unterschiedlich. Zu Beginn fuhren die Einheiten in Personenwaggons der Staatsbahn der UdSSR über Moskau und Wolgograd nach Aschuluk. Einige Male wurde die eigene Gefechtstechnik über große Entfernungen verlegt. In den letzten Jahren erfolgte diese Etappe im Lufttransport durch die Transportflieger der NVA zum Militärflugplatz Astrachan und von dort nach Aschuluk.

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1968 in Moskau auf dem Weg nach Aschuluk

2. Etappe:Übernahme der Fla-Raketentechnik von den Instrukteuren des Schießplatzes und Durchführung einer Vorschießkontrolle zur Vorbereitung der Technik auf reale Gefechtshandlungen.
3. Etappe:Abnahme des theoretischen Ausbildungsstandes der Offiziere, Überprüfung der Funkorter und Startrampenbedienungen und die Abnahme der Geschlossenheit der Gefechtsbesatzungen in einem Prüfungsschießen auf reale Ziele ohne realen Start von Fla-Raketen.
4. Etappe:Das Gefechtsschießen auf reale Luftziele mit dem realen Start von Fla-Raketen.

Das letzte Gefechtsschießen der FRT der NVA führten die Einheiten und Truppenteile der 3. Luftverteidigungsdivision im Juni 1989 durch.
Der Divisionskommandeur, Generalmajor Schwipper, hatte den Ablauf des Ausbildungsjahres auf den Höhepunkt ausgerichtet. Das war eine taktische Übung mit Gefechtsschießen der JFK und FRT mit der Bezeichnung "Elbe 89", die in der Zeit von Ende Mai bis Anfang Juni 1989 durch geführt wurde. Es sollte das größte Gefechtsschießen einer Luftverteidigungsgruppierung der DDR werden. Wir ahnten damals nicht, dass es auch das Letzte sein würde.
Generalmajor Schwipper war ein Offizier mit exzellenter Ausbildung und hohem technischen Verständnis. Er war der erste und der letzte deutsche Offizier, der ein Luftverteidigungsgefecht mit 12 Jagdflugzeugen und 14 Zielkanälen der FRT gleichzeitig durchführte, dabei über vierzig Luftziele ohne realen Start und 12 reale Zieldarstellungsmittel der Typen LA-17M und Belka mit realem Start von Raketen bekämpfen ließ. Dazu das automatisierte Führungssystem und vier verschiedene Fla-Raketensysteme erfolgreich einsetzte. Es war ein erhebender Augenblick, das komplizierte System der verschiedenen Luftverteidigungsmittel so zu erleben, wie es von seinen Konstrukteuren konzipiert wurde. Es war ein wahrer Höhepunkt meiner langjährigen Arbeit als Offizier der Fla-Raketentruppen.
Das Erstschießen der Einheit Gebbert mit dem neu eingeführten Fla-Raketenkomplex S-300PMU wurde am 08. Juni 1989 nachmittags erfolgreich durch geführt .
Alle, die das Schießen der FRA 4351 beobachten konnten, waren begeistert von der Kraft und Eleganz des Fluges der Raketen zum Ziel. Es war wirklich etwas Neues, das, 10 Jahre nach der sowjetischen Luftverteidigung, in die FRT der NVA eingeführt werden sollte.

 
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Ferngelenkte Zielscheibe
LA-17
  Raketenzielscheibe "Belka"

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