Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

Das Fla-Raketenregiment - 31


ab 1981
zuvor
ab 1962 FRR-14 und ab 1971 FRR-11


 
Ehrenname Jaroslaw Dombrowski (ab 1964)
 
Kommandeure des Truppenteils von Beginn bis zum 02.10.1990
 
Oberst   Ringelhahn
Oberst   Schmidt
Oberst   Dührung
Oberst   Schwipper
Oberst   Winter
Oberst   Henning
 
Standorte
 
Einheit Standort
Stab, GS und TA Strassgräbchen
S-75 : FRA-311 Groß-Döbbern
FRA-312 Großräschen
FRA-313 Kroppen
FRA-314 Großröhrsdorf
Im Diensthabenden System der Luftverteidigung von 1963 bis 1984
Ab 1984 verkürzter Personalbestand - gefechtsbereit erst nach Mobilmachung
 
Liebe Ehemalige der Fla-Raketentruppen und natürlich des FRR-31 hier ist Platz für Eure Erinnerungen.
Schreiben und per Post oder per e-mail an unsere Kontaktadresse senden.
Wir stellen Eure Beiträge an dieser Stelle ein.
 
Feuerzonen der FRA des Fla-Raketenregimentes - 31
 
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Fotos zum FRR-14 / 31
 
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FRA-14/I - 1968
auf dem Weg zum Gefechtsschießen
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Leitoffizier S. Horst bei den Kontrollarbeiten
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Auf der All-Unionsausstellung
in Moskau
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Dauerskat im Zug
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Auf der All-Unionsausstellung in Moskau
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EK Abschied
 

Erinnerungen an das Fla-Raketenregiment - 31 (14)

Erinnerungen an Groß-Döbbern 1965

Jahre des Beginns meiner Offizierslaufbahn

Wir wurden im Juli 1965 zunächst von Kamenz mit Gepäck in die 1. LVD nach Cottbus gefahren. und dort vom Divisionskommandeur, Oberst Böhme, gemeinsam mit den Kommandeuren der Truppenteile, denen wir zugeteilt waren, begrüßt. Mein Kommandeur des FRR-14 war Oberstleutnant Ringelhahn. Ein kleiner, ruhiger und sehr beliebter Offizier. Da meine erste Dienststelle Groß Döbbern nur wenige Kilometer südlich von Cottbus lag, wurden ich und ein weiterer Offizier für die Rundblickstation P-12 direkt vom Kommandeur der Fla-Raketenabteilung 141 übernommen. Major Mansch war ein schlanker, groß gewachsener Offizier mit einem auffallend langen Hals. Er saß vorn beim Fahrer und wir beiden Frischlinge saßen im Fond des EMW. Der Kommandeur meinte, dass wir mit der FRA-141 als Standort das große Los gezogen hätten. Tolle Umgebung, viele Pilze, die Bezirksstadt in der Nähe und eine prima Truppe. Er fragte ob wir verheiratet wären. Ich war, mein Kollege nicht. "Also Horst", sprach er mich an, "mit der Wohnung wird es erst im nächsten Jahr klappen. Dann wird die nächste frei." Er fragte noch wo ich wohne, Kamenz sagte ich, na das ist ja keine Entfernung, meinte er.
Inzwischen waren wir von der Fernverkehrsstraße 97 in den Kiefernwald abgebogen. Nach ca. 300 m hielt der EMW vor dem Eingang zur Dienststelle. Der Kommandeur stieg aus und nahm die Meldung des Wachhabenden und des Offiziers vom Dienst entgegen. Die Dienststelle war sehr übersichtlich angelegt. Links und rechts jeweils eine Baracke mit Klub, MHO-Verkaufstelle, Wachgebäude und Gaststätte, dann kam links das Küchen- und Heizungsgebäude, an das sich die Schleppdächer für die Kfz. anschlossen. Auf der rechten Seite standen die Stabs- und dahinter die Unterkunftsbaracke für die Berufssoldaten. Es folgten die Unterkünfte des Nachrichtenzuges, der Funktechnischen Kompanie, der Startbatterie und der Technischen Kompanie. Alles war mit einem einfachen Maschendrahtzaun eingefasst.
Der Kommandeur hatte seine Stellvertreter zu sich befohlen und stellte sie uns vor. Der Stellvertreter für politische Arbeit war Major Helm, der Ingenieur der FRA war Hauptmann Müller, der Stellvertreter für Rückwärtige Dienste hieß Hauptmann Lorenz. Der Name des Stabschefs ist mir entfallen. Es klopfte an der Tür. Ein mittelgroßer rundlicher Hauptmann trat ein und meldete :
"Hauptmann Hornig wie befohlen zur Stelle !" Es war der Kompaniechef der Funktechnischen Kompanie Gerald Hornig. Dem ich durch sein ruhiges und überlegtes Handeln sehr viel für meine Entwicklung als junger Offizier verdanke. Er nahm mich mit in die Kompanie, wo im Obertechnikerzimmer alle Offiziere der Funktechnischen Kompanie versammelt waren. Ich kannte keinen. Der Kompaniechef stellte jeden vor. 1. Zugführer und mein unmittelbarer Vorgesetzter war Oberleutnant Wittich, 2. Zugführer - Name ist mir entfallen, Obertechniker System Koordinatenbestimmung, Leutnant Sachse, Obertechniker System für Kommandoerarbeitung, Leutnant Schütze, Obertechniker System Kommandosender, Ultn. Name entfallen und der Obertechniker der Sende-Empfangskabine Leutnant Blondzik. Ich wurde in der Kompanie als Verstärkung sehnlichst erwartet.

Unterleutnant Siegfried Horst




Erinnerungen eines Pioniers

Es ist nun schon 30 Jahre her, dass ich das FRR verlassen habe, dennoch habe ich immer wieder Erinnerungen an diese Zeit, besonders wenn ich mal wieder vor Ort bin, so wie am vergangenen Freitag. Da es dort immer wieder Veränderungen gab, kann ich auch nur das sagen, was ich zwischen 1976 - 1979 dort erlebt und gesehen habe.
Ebenso kann ich auch immer nur wiederholen, dass dies keine schlechte Zeit war.

Hier mein Beitrag zum FRR-11 in Straßgräbchen.

Nach meiner Zeit an der Unteroffiziersschule in Weißkeißel 1976 bin ich von einem Berufsunteroffizier (Feldwebel) und einem UaZ (Unteroffizier) abgeholt worden. Auf meine Frage, wohin es ginge, wurde mir nur mit: "Lassen sie sich überraschen!" geantwortet. Auf der weiteren Fahrt haben wir uns angeschwiegen.
Im Dunkeln, es war Oktober, haben wir das Objekt FRR 11 in Straßgräbchen erreicht und ich dachte: "Das ist das Ende der Welt, da die Zufahrt zu diesem Objekt ein langer Feldweg war und ich immer noch nicht wusste, was mich erwarten würde." Mir gingen in diesem Moment sehr viele Gedanken durch den Kopf. "Ich ausgebildet an einer Unteroffiziersschule als Gruppenführer und Fahrer für Pioniertechnik, mit Spezialausbildung Stellungsbau und Sperranlagen und meine Begleiter in Uniformen der Luftverteidigung." Das alles passte nicht in mein Bild, denn es waren auch Pioniere, zu erkennen an den Ärmelabzeichen. Fragen von mir wurden nicht beantwortet oder mit den Worten: "Alles zu seiner Zeit!" abgetan.

Der weitere Verlauf dieser ersten Begegnung mit dem FRR 11, war dann die nächste Merkwürdigkeit. Wir hielten vor einem Gebäude, und beim Aussteigen begegneten uns Soldaten und Unteroffiziere einer Nachrichtentruppe, ebenfalls an den Ärmelabzeichen Meine ersten Gedanken waren: "Was mache ich und die anderen beiden hier, wir sind doch Pioniere?" Die nächste Ungereimtheit an diesem Tag war das Betreten unserer Unterkunft. Es war ein kleiner Raum mit zwei Doppelstockbetten und einer Person im Trainingsanzug (es war also kein Dienstgrad zu erkennen).
Seine Worte zur Begrüßung waren: "Bist du der Neue Unteroffizier der Pioniere? Ich bin der Neue von den Chemikern!" Da habe ich gar nichts mehr verstanden. Ein Unteroffizier der Pioniere, ein Unteroffizier der Chemiker, ein Berufsunteroffizier (Feldwebel), sowie der Fahrer ein Unteroffizier der Pioniere, und das alles in einer Nachrichtentruppe. Ich wusste nicht mehr, was ich so richtig denken sollte! Nachdem der Berufsunteroffizier und der andere Unteroffizier gegangen waren, sagte mir der Chemiker, dass es hier eine Pioniergruppe der Stärke 0-1-7 gibt und meine zukünftige Gruppe eine Etage höher ist.
Nach einer ganzen Weile stand dann die gesamte Gruppe in unserer kleinen Stube. Ein Gefreiter (mein Stellvertreter) machte eine exakte Meldung und stellte mir die Gruppe vor. So eine Meldung wurde nie wieder gemacht, wenn wir unter uns waren. Jetzt habe ich erste Antworten auf meine Fragen bekommen.
Ich war in einem Fla-Raketen - Regiment gelandet. Der Unteroffizier, der mich hierher geholt hatte, war mein Vorgänger und hatte nur noch wenige Tage zu dienen. Die alte Gruppe waren gerade erst aus Kroppen und Groß Döbbern zurück und hatten in der ihnen verbleibenden Zeit noch hier im Regiment zu tun.
Wir unterhielten uns dann noch über persönliche Dinge, als plötzlich ein Stabsfeldwebel in der Tür stand und hinter ihm ein Major mit einer OvD - Binde am Arm. Der Major war mein Chef für die nächsten 2 1/2 Jahre, es war Major Lorenz. "Morgen Früh bei mir im Dienstzimmer!" waren die ersten Worte des Major und der Stabsfeldwebel sagte danach zu mir: "Wenn du beim Major warst, kommst du dann zu mir!" Der Stabsfeldwebel war die "Mutter" der Kompanie.
Das war mein erster Tag in der Luftverteidigung in Straßgräbchen. In der darauf folgenden Zeit gab es immer mal wieder gute und schlechte Tage. Unser Alltag bestand vor allem aus Bauen und Wache stehen. Im Frühjahr 1977 wurde die gesamte Gruppe dann nach Großräschen in den Wald verlegt. Unsere Aufgabe war dort der Neubau einer Raketenstellung, die bis heute für mich und auch für andere ein Rätsel bleibt.
Damals war es meine Pflicht und auch eine Herausforderung als Gruppenführer. Die erste Zeit in Großräschen waren wir allein, bis uns dann eine Reservisteneinheit unterstützte. Wir haben dort die Rodearbeiten und den Erdaushub durchgeführt. Was danach aus Großräschen geworden ist, bleibt bis heute ein Rätsel für mich. Nach ca. einen halben Jahr sind wir wieder nach Straßgräbchen zurück und dort folgten wieder kleinere Bauarbeiten und Wache stehen (das Übliche).
1978 sind wir dann nach Großröhrsdorf verlegt wurden, für den Bau einer Betankungsanlage und einer Ringstraße. Zwischendurch wurden wir auch mal kurzzeitig nach Prötzel zum Wegebau für eine neue FRR verlegt.

Der Winter 1978 - 1979 hat uns dann in den Bergbau verschlagen zur Katastrophenhilfe. Ich bin auch nach meiner Dienstzeit dem Bergbau bis zur Wende treu geblieben. Meine Zeit in der NVA hat mich weiter gebracht und ich habe sie auch nie bereut. Über die Pioniere in den FRT wird leider noch immer nicht viel gesprochen. Vielleicht kann ich einen kleinen Beitrag dazu beisteuern, auch mal diese Waffengattung ans Licht zu bringen.
Ohne uns hätten die Rampenbedienungen ihre Löcher selber buddeln müssen.

Bernd Kolbe 25.10.2009

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