Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

Pinnow bei Angermünde ist die Wiege der Fla-Raketentruppen der NVA

Im Walde zwischen den Dörfern Pinnow und Felchow befand sich 1959 eine Ausbildungseinrichtung der NVA, die bis 1961 den Namen "Lehr-und Ausbildungsregiment 12" (LAR-12) und dann bis 1962 "Spezialausbildungsregiment" trug. Hier wurden die ersten Gefechtseinheiten der Fla-Raketentruppen an der streng geheimen Kampftechnik ausgebildet. Kommandeur war Major Trautsch.

1962 wurde die Flakartillerie-Schule Potsdam-Geltow nach Pinnow verlegt und mit dem Spezialausbildungregiment unter dem Namen "Funkmeß-Flakartillerie-Schule Pinnow" zusammengelegt.

1963 nahm in Kamenz die Offz.-Schule der LSK/LV ihren Lehrbetrieb auf und die "Funkmeß-Flakartillerie-Schule Pinnow" wurde aufgelöst.

Schon 1962 begannen in Pinnow die ersten Baumaßnahmen für das "Reparaturwerk für Spezialbewaffnung", das 1965 in "Instandsetzungswerk Pinnow" umbenannt wurde.

Lesen Sie einen Ausschnitt eines Beitrages, der im Buch "Geschichte & Geschichten der Fla-Raketentruppen - Innenansichten einer Waffengattung" erscheinen wird.

Meine Ausbildung in Oranienburg und Pinnow im Jahr 1961
Hans-Ulrich Maynicke

Wir wurden in acht Wochen Grundausbildung, die nicht immer leicht war, zu Soldaten ausgebildet. Beschwerden gab es keine, denn wir hatten uns alle freiwillig für diesen Weg entschieden. Es gab auch lockere Episoden in dieser Zeit. So die Absperrung der Straßen in Oranienburg als die Friedensfahrt 1961 durch den Ort kam oder die Absperrung von Teilen der Stadt, weil eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg beseitigt werden musste. Auch die Arbeitseinsätze in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft bei Kremmen sind mir wegen der guten Verpflegung in besonderer Erinnerung.

Nach der Grundausbildung in Oranienburg und nach Arbeitseinätzen beim Stellungsbau in Burg Stargard ging es mit vielen anderen Freiwilligen nach Pinnow, das mir persönlich völlig unbekannt war. Es gab in der DDR acht Orte mit Namen Pinnow. Wir rätselten weiter. Ein besonders sachkundiger Mitstreiter meinte - wir kommen nach Pinnow bei Polen. Nun war alles klar. Bei der Einfahrt zum Objekt kamen mir die Holzhäuser wie Filmkulissen vor.
Wir bezogen unsere Unterkunft nicht im großen Teil des Objektes mit seinen Baracken, sondern in einem einstöckigen Steinbau, der so glaube ich, schon hinter einem bewachten Zaun lag. Die Zimmer wurden mit mindestens 10 Armeeangehörigen belegt und waren sehr spartanisch eingerichtet. Es zogen viele Männer, die ich schon in Oranienburg gesehen hatte, mit mir in das Gebäude ein.
Nach den üblichen strengen Belehrungen über die Geheimhaltung und die militärischen Gepflogenheiten kam der Tag der Kommissionierung. Ich meldete mich militärisch exakt bei streng blickenden Offizieren, die an einer langen Tafel saßen und ich vor ihnen. Nach der Nennung meines Namens blätterten sie in ihren Unterlagen und verglichen meine persönlichen Daten mit ihren Aufzeichnungen. Unklarheiten gab es nicht. Ich wurde gefragt was ich über Pinnow, die Technik usw. wüsste. Ich konnte nur antworten "nicht". Die Gesichter der vor mir Sitzenden erhellten sich zwar nicht, aber sie wurden auch nicht finsterer. Ich sollte meine Vorstellungen über eventuelle Ausbildungswünsche äußern.
Sie könnten mir die Möglichkeiten einräumen in großen Wagen oder Kabinen mit elektrischen und elektronischen Geräten zu arbeiten oder aber an großen Geschützen ausgebildet zu werden. Nun erwarteten die meine Antwort. Zum Strom hatte ich ein gespaltenes Verhältnis. Ein Jahr zuvor hatte ich im Winterurlaub versucht, meine Langlaufski mit einem elektrischen Bügeleisen zu wachsen. Am Handgriff bekam ich einen Stromschlag. Ich konnte meine Hand nicht öffnen, zog das Kabel aus der Steckdose und das Bügeleisen traf meinen linken Fuß.
In Erinnerung daran war meine Entscheidung für die Kommission gefallen. Einer der Kommissionierer fragte nochmals was ich für einen Ausbildungswunsch hätte. Ich sagte, dass mein Interesse wäre, Koch zu werden. Einige lachten. Der "Chef", der das Sagen hatte, meinte wir bilden hier keine Köche, Schneider und Friseure aus. Sie können sich das nochmals überlegen und jetzt raus. Ich gehorchte bereitwillig. Auf dem Flur erwartete mich ein anderer Offizier und der sprach ganz ruhig und sachlich mit mir. Er meinte, dass sie aus Gründen der Geheimhaltung keine Angaben zur Technik machen dürften. Ich wurde wieder rein befohlen und nach meinem Ausbildungswunsch befragt, da ich immer noch Koch werden wollte, flog ich wieder raus. Mein Betreuer im Flur sagte fast väterlich zu mir, du bist doch Kanonier und das wird doch abgeleitet von Kanone - ich hatte meinen Dienstgrad wohl von Gulaschkanone abgeleitet.
Er führte mir noch mal die Konsequenzen für meine sturen Haltung vor Augen. Willst Du ordentlich an moderner Technik ausgebildet werden oder zwei Jahre nur Wache schieben. Jetzt war bei mir alles klar. Ich teilte meine Entscheidung den Kommissionierern mit, wurde zu meiner Entscheidung beglückwünscht. Hinter vorgehaltener Hand hörte nur leise beim Eintrag in die Unterlagen "Feuerbatterie". Ich wusste aber auch nicht mehr als vorher.

Am Abend trafen wir uns bei "Viktor", dem Wirt im Objekt. Ich erfuhr, dass vielen anderen Mitstreitern ebenso ergangen war wir mir Die Wirtschaft war voll und nach mehreren halben Litern hatten wir ausdiskutiert, dass es die "Elektronischen" in den großen Kabinen und uns, die in der Feuerbatterie, gab.
Am Anfang stand die theoretische Ausbildung. Zu dieser Ausbildung mussten wir in eine weitere geheime Zone, in der sich unsere Lehrklasse befand. Hier kamen wir nur in Begleitung eines Offiziers rein. Wir mussten den Dienstausweis abgeben und erhielten dafür einen grünen Sonderausweis. Natürlich wieder Belehrungen über Geheimhaltung und den Umgang mit den Sonderausweisen.
Im großen Klassenzimmer stellte sich unser Lehrer vor. Es war Hauptmann Kloss, der uns auch als erster sagen durfte, dass wir an Fla-Raketen ausgebildet werden.

 

Die letzte Prüfung eines Fla-Raketenkomplexes "Wolchow" in Pinnow

Die interessierten Leser dieser Homepage können hier einen Kurzfilm aus der Arbeit des Instandsetzungswerkes Pinnow aufrufen. Der Film zeigt die letzte Prüfung eines Fla-Raketenkomplexes "Wolchow" nach erfolgter Instandsetzung im Jahr 1990.
Es war der letzte Komplex, der die Hallen des Instandsetzungswerkes durchlief.

 

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