Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

Zur Einführung automatisierter Führungssysteme
bei den Fla-Raketentruppen

Generalmajor a.D. Dipl. Ing. Kurt Kronig und
Oberstleutnant a.D. Dipl. Ing. Rainer Weckwarth


2009

Zur Einführung automatisierter Führungssysteme bei den FRT

Wichtige Voraussetzung für eine vollstÄndige Ausnutzung der Gefechtseigenschaften der Fla-Raketenkomplexe war die rechtzeitige und genaue Aufgabenstellung durch den Kommandeur des Fla-Raketenregimentes (FRR) an den Kommandeur der Fla-Raketenabteilung (FRA) im Prozess der Feuerleitung . Die Zielzuweisung an die FRA musste dabei ein eindeutiges und schnelles Auffassen des zu bekÄmpfenden Zieles durch die Raketenleitstation sichern.

Bis zur Einführung Automatisierter Führungssysteme (AFS) bei den FRT erfolgte das durch mündliche Aufgabenstellung des Kommandeurs des FRR an die Kommandeure der FRA auf der Grundlage einer identischen Luftlagedarstellung im Flugmeldenetz auf Luftlage- und Feuerleitkarten der GefechtsstÄnde von FRR und FRA.
Luftlage- und Feuerleitkarten waren Piacryl-Planchetten auf denen von Planzeichnern Zielwege und Zielcharakteristiken des Flugmeldenetzes mit Fettstift aufgetragen wurden.
Parallel dazu wurden Funkmessinformationen (sogenannte PrimÄrinformationen) von Bildschirmen in der NÄhe der GefechtsstÄnde entfalteter Funkmessstationen ausgewertet, die jedoch die Identifizierung der Zielwege zwischen Flugmeldenetz und Bildschirm erforderten.

Dieses System der Feuerleitung entsprach jedoch weder aus der Sicht der taktischen und flugtechnischen Entwicklung der Luftangriffsmittel, der Vervollkommnung der Gefechtseigenschaften der FRK und der Einführung neuer FRK sowie der sich daraus auch ergebenden neuen Organisationsstrukturen der FRT (Fla-Raketenbrigaden, FRBr) den zukünftigen Erfordernissen.
Deshalb wurde bei der Formierung der 43. FRBr 1973 das AFS "ASURK-1MÄ" übernommen und entfaltet. Zum vorhandenen FRK S-75 M wurde zusÄtzlich in die Bewaffnung der FRBr der FRK S-125 M eingeführt. Die mobilen Kabinen des AFS waren im GebÄude des Automatisierten Gefechtsstandes (AGS) entfaltet und seine absetzbaren SichtgerÄte im Führungsraum des Gefechtsstandes der FRBr als automatisierte ArbeitsplÄtze untergebracht.

Die Entschlußfassung zur Zielverteilung und Zielzuweisung an die Kommandeure der FRA durch den Kommandeur der FRBr erfolgte am SichtgerÄt des AFS im Führungsraum des AGS, auf dem auch die PrimÄrinformationen über die Luftlage von einer Funktechnischen Kompanie (FuTK) der FuTT am Standort des AGS dargestellt wurden. Das AFS prognostizierte dazu die möglichen Flugwege der dargestellten Ziele auf den SichtgerÄten. Mit Hilfe des Objektes "WP-08" bestand die Möglichkeit der Kopplung mit dem Automatisierten Führungs-und Leitsystem (AFLS) "Wosduch-1M" der FuTT zur Übernahme und Darstellung von SekundÄrinformationen von weiteren FuTK der FuTT. Die Zielzuweisungen, entsprechend dem Entschluss des Kommandeurs, wurden durch das AFS automatisiert an die FRA mit Hilfe eines Ringsystemes von Richtfunkstationen der Typen 5 Ja 62/63 übertragen.
Damit wurde das "Zielauffassen ohne Suchen" durch Raketenleitstationen der FRA (in AbhÄngigkeit von der Genauigkeit der Funkmeßinformationen) gewÄhrleistet.

Mit der Einführung neuer bzw. modernisierter Waffensysteme der FRT (FRK "S-200WÄ" und "S-300PMU") und JagdfliegerkrÄfte (verschiedene Modifikationen der "MiG-21", "MiG-23" und "MiG-29") wurde auch die weitere Erhöhung des Automatisierungsgrades der Führungsprozesse auf der Ebene "taktischer Verband der LV" (FRBr) erforderlich.

Dazu wurden gemeinsame AGS der FRT und JFK geschaffen und mit den AFS "Vektor-2MÄ" bzw. "Senesh-MÄ" ausgerüstet. Zur Vorbereitung der Einführung des Waffensystems "S-200WÄ" wurde 1980 das AFS "Vektor-2MÄ" in der 43. FRBr entfaltet, das AFS "ASURK-1MÄ" danach für die automatisierte Feuerleitung im FRR-13 eingesetzt.
Bei der Einführung des Waffensystems "S-300PMU" in die 43.FRBr wird es 1988 ersetzt durch das neu eingeführte AFS "Senesh-MÄ".
Das AFS "Vektor-2MÄ" wird an die neu zu formierende 51.FRBr übergeben und in das Schutzbauwerk des Gefechtsstandes der FRBr installiert. Nach der Aufstellung der 41.FRBr wird 1988 zur GewÄhrleistung der automatisierten Feuerleitung ein AFS "Senesh-MÄ" eingeführt und der gedeckte Gefechtstand als gemeinsamer Gefechtsstand der 41.FRBr und des Jagdfliegergeschwaders 8 damit ausgerüstet.

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Führungsraum GS 43.FRBr mit AFS Senesh

Die Technik dieser AFS war in mobilen Kabinen untergebracht und ihre absetzbaren automatisierten Arbeitsplätze wurden in den Führungsräumen der Gefechtsstände entfaltet. Diese AFS gewährleisteten die automatisierte Feuer- und Jägerleitung in einem festgelegtem Luftverteidigungssektor in Verantwortung des Kommandeurs der FRBr. Die Rechenkomplexe der AFS erarbeiteten Vorschläge für die Entschlußfassung zur Zielverteilung auf der Grundlage der digitalisierten, bearbeiteten Luftlageinformationen (Sekundärinformationen) vom Objekt "PORI" (Punkt zur Bearbeitung von Funkmeßinformationen) des AFLS "Wosduch-1M" ("WP-M"). Diese Vorschläge wurden für den Kommandeur der FRBr auf dem Sichtgerät des automatisierten Arbeitsplatzes dargestellt und von ihm bestätigt oder korrigiert.
Die Übertragung der automatisierten Zielzuweisung an die FRA über das Ringsystem der Richtfunkstationen 5 Ja 62/63 sicherte eine hohe Wahrscheinlichkeit des "Zielauffassens ohne Suchen" durch die Raketenleitstationen der FRA.
Die Objekte "PORI" gewährleisteten die informationelle Kopplung mit dem AFLS "WP-M", womit eine neue höherer Qulität der Funkmeßsicherstellung erreicht wurde.

Dazu gehörte :

  • der Empfang, die Bearbeitung und Darstellung der Funkmeßinformationen der
    vorgesetzten, nachgeordneten oder zusammenwirkenden "WP-M" Objekte,
  • die Übermittlung der bearbeiteten Luftlageinformationen an den AGS der FRBr, an den GS
    der LVD und andere Führungsstellen,
  • den Empfang und die Retranslation der Meldungen über die Gefechtsbereitschaft und
    Gefechtshandlungen der FRBr an den GS der LVD.

Das Objekt "PORI" wurde zusammen mit einem Objekt "WP-02M" der örtlichen FuTK am AGS der FRBr (mit Jägerleitstelle) als automatisierter Gefechtstand der Funktechnischen Abteilung (FuTA) der FRBr entfaltet. Es ermöglichte die Aufnahme und Bearbeitung der Funkmeßinformationen von 5 FuTK (mit Objekten "WP-01M","WP-02M", "WP-02U"), vom Gefechtstand oder Wechselgefechtstand der LVD (mit Objekten "WS-11M","WP-04M") und einem zusammemwirkenden Objekt "PORI". Die Ergebnisse durchgeführter Prüfungsschießen und Gefechtsschießen mit realem Start von Fla-Raketen in der Sowjetunion mit Einsatz aller in der Bewaffnung befindlichen Waffensysteme und AFS der FRT haben gezeigt, daß die Kommandeure und die Besatzungen der Gefechtsstände in der Lage waren, die Möglichkeiten der automatisierten Gefechtsarbeit anzuwenden und ihre Vorteile zu nutzen.

Für die Unterstützung bei der Ausarbeitung dieses Beitrages wird Oberstleutnant a.D. Rainer Weckwarth gedankt.

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