Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

TLA - Krug 2 K11 SA-4 "Ganef"

SA-4 Ganef ist der NATO-Codename für die russische 2K11 Krug (dt. 'Kreis'), eine zweistufige, radargelenkte Flugabwehrrakete, deren Ramjet-Antrieb eine hohe Reichweite ermöglichte. Sie wurde ab 1967 beim Heer der Sowjetunion und später auch bei der NVA eingeführt.

Eine typische SA-4-Batterie bestand aus einer Starterlafette 2P24 (TEL - Transporter-Erector-Launcher) mit 9M8M2 und zwei TEL's mit 9M8M1 sowie einem Long Track Zielerfassungsradar 1S32. Dazu kamen noch Reserve-Raketen, welche von einem speziellen Ural-375-LKW 2T6 (TLF Transportladefahrzeug) transportiert wurden. Zu einer Batterie gehörte ferner ein 6-Zylinder 100kW/400Hz Dieselaggregat PES 100, das zur Schonung der Gasturbinengeneratoren der Fahrzeuge diente. Das Nachladen eines TELs (Starterlafette, 2 Raketen) dauerte zwischen 10 und 15 Minuten.

Obwohl die SA-4 Ganef in den 1960er/1970er-Jahren als effektives Flugabwehrsystem galt, ist sie nach heutigen Maßstäben (2005) aufgrund der geringen Zielgenauigkeit der Raketen und der leichten Bekämpfbarkeit der längere Zeit aktiven Radarstation als veraltet zu betrachten. Die SA-4 Ganef wurde als Flugabwehrsystem gegen Ziele in mittleren bis großen Höhen konzipiert, als Ergänzung zu den Mittelstreckensystemen SA-6 und Kurzstreckensysteme wie SA-8. Die Raketen besitzen eine Länge von 8,8 m (SA-4a) bzw. 8,3 m (SA-4b). Die effektive Reichweite beträgt 8 bis 55 km. Feindliche Ziele können in Höhen von 100 m bis 27.000 m bekämpft werden (~24.000 Meter bei der b-Variante).Die vier Feststoffraketen, außen auf dem Raketenkörper montiert, brennen nach etwa 15 Sekunden aus, in etwa 9 km Abstand zur Abschussstellung, und trennen sich dann vom Raketenkörper. Nun wird der luftatmende Ramjet-Motor gestartet, der die hohe Reichweite ermöglicht und die Rakete weiter auf eine Geschwindigkeit von Mach 4 beschleunigt.Der Sprengkopf wiegt 150 kg, davon 90 kg Sprengstoff, er wird in etwa 300 m hinter der Abschussrampe scharf geschaltet. Der Sprengsatz ist umwickelt mit ca. 15.000 auf Stoffbahnen aufgeklebten Stahlwürfeln (Kantenlänge 3-4 mm), die ein Netz bilden, dessen Knoten die Hülle eines Flugzeugs bei der hohen Geschwindigkeit mühelos durchschlagen. Eine Detonation im Abstand von 250-300 m ist damit ausreichend zur Vernichtung beliebiger Luftziele.

Die Elektronik des Systems basierte größtenteils auf Röhren, die nach einem Elektromagnetischen Puls (EMP) relativ einfach ausgetauscht werden konnten.Die Fahrzeuge besaßen ein auf einem Gyroskop basierendes System zur Ortsbestimmung. Der Navigationskreisel wurde an einem Ort mit bekannten Koordinaten gestartet und konnte über ein elektromechanisches System die Standortveränderung bei der Fahrt berechnen.Die Startrampen und die Raketenleitstation besaßen jeweils eine Gasturbine zur Stromversorgung, konnten aber auch über Kabel mit Fremdstrom aus einem mitgeführten Aggregat PES 100 versorgt werden.

Die Rakete wird mit Hilfe einer Fernsteuerung von einer Raketenleitstation ins Ziel gelenkt. Das Long Track-Radar kann hierfür Ziele auf bis zu 150 km Entfernung und bis zu 30.000 Meter Höhe erfassen und den Stellungen zuweisen. Die vom Long Track-Radar gesammelten Daten werden dann an die SA-4-Batterie geleitet, wo das 'Pat Hand'-Feuerleitradar (H-Band) übernimmt. Das Radar kann Ziele auf bis zu ~125 km Entfernung aufschalten. Der Abschuss einer Rakete erfolgt jedoch erst bei Entfernungen von maximal 80-90 km. Die Raketenleitstation verfolgt dabei per Radar das Ziel und gleichzeitig die Rakete.

In der Rakete befindet sich für den Kontakt mit der Leitstation ein Antwortsender. Die von der Raketenleitstation errechneten Lenkkommandos werden an die Rakete per impulscodierten Funkkommandos übertragen und führen die Rakete in die Nähe des Ziels. Nach ca. 2/3 der berechneten Entfernung zum Ziel wird der Funkzünder in der Rakete von der Raketenleitstation scharf geschaltet. Dieser aktiv abstrahlende Funkzünder registriert reflektierte Impulse und bringt das Gefechtsteil zur Explosion. Die Abstrahl- und Empfangsrichtung des Funkzünders kann von der Bodenstation in Abhängigkeit von der Annährungsgeschwindigkeit ans Ziel geändert werden.

Quelle : http://de.wikipedia.org/wiki/SA-4_Ganef

 
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