Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

TLA- in den Landstreitkräften der NVA

Die Truppenluftabwehr (TLA) der Landstreitkräfte (LaSK) ist vergleichsweise eine relativ junge selbständige Waffengattung. Bis 1961 gehörte die Flakartillerie zur Waffengattung Artillerie. Am 01.01.1961 wurde die Flakartillerie der Landstreitkräfte aus dem Bestand der Artillerie herausgelöst und damit eine selbständige Waffengattung. Am 18. Januar 1956 verabschiedete die Volkskammer das Gesetz zur Gründung der NVA und des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV) Mit dem Befehl 1/56 des Ministers für Nationale Verteidigung (2) begann der Prozeß der Formierung, Strukturierung und Dislozierung der zwei Militärbezirke (MB), der Divisionen und Regimenter. Bis zum 1. März 1956 wurden der Militärbezirk V in Pasewalk (später verlegt nach Neubrandenburg), der Militärbezirk III in Leipzig mit den Stäben sowie die den Militärbezirken unterstellten Truppenteile und Einheiten aufgestellt.

Bereits Ende des Jahres 1956 konnte der Aufbau der Landstreitkräfte mit der Formierung des Militärbezirks V mit der 1., 6., 8.motorisierten Schützendivision, der 9. Panzerdivision mit den dazugehörigen Flakregimentern FR-5, (Ueckermünde, später nach Prenzlau verlegt), FR-1 (Potsdam), FR-6 (Pasewalk ), FR-8 (Prora) und des Militär-bezirkes III mit der 4. und 11., motorisierten Schützendivision, der 7.Panzerdivision mit dem FR-4 (Erfurt), dem FR-11 (Halle), FR-7 (Zittau) strukturell im wesentlichen abgeschlossen werden. Dazu gehörte auch die Ausrüstung der motorisieren Schützenregimenter mit zwei Flakbatterien; die Panzerregimenter erhielten eine Flakbatterie und die motorisierten Schützenbataillone einen Fla-MGZug.

Die forcierte Entwicklung der Luftwaffe der NATO sowie die Auswertung der lokalen Kriege in Südostasien und im Nahen Osten machten eine weitere Modernisierung der Truppenluftabwehr der Landstreitkräfte zu einem dringenden Erfordernis.
Diese Umrüstung der Truppenluftabwehr konnte nur durch einen komplexen Prozeß der Einführung moderner Fla-Raketensysteme, also durch einen tiefgreifenden Wechsel ihrer Kampftechnik erfolgen. Es begann die Indienststellung eines abgestimmten Systems hochmobiler und effektiver sowjetischer Fla-Raketenkomplexe mit unterschiedlicher taktischer Bestimmung und Reichweite. Im Zeitraum von 1972 bis 1982, also in nur 10 Jahren, wurden 1. zwei Fla-Raketenregimenter der Militärbezirke III und V (FRR-3 in Hohenmölsen, FRR-5 in Basepohl) neu aufgestellt und mit dem mobilen Fla-Raketenkomplex Krug 2k11 (NATO-Code:SA-4 Ganef) ausgerüstet.

Die Reichweite der Raketen betrug 1,1bis 50 km, die Einsatzhöhe 24000 m. 2. die Flakregimenter 3 und 5 in Flakabteilungen umstrukturiert. Beide Abteilungen waren den Militärbezirken direkt unterstellt und wurden1986 aufgelöst. 3. die Flakregimenter der Mot.-Schützendivisionen und der Panzerdivisionen kontinuierlich zu Fla-Raketenregimentern (FRR) mit dem Fla-Raketenkomplex Kub 2k12 kleiner Reichweite umgerüstet. (Reichweite 4-25km, Einsatzhöhe 50-12000m). Im MB III waren das die FR 4, 7 und 11; im MB V die FR 1, 8 und 9.

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Zielkanäle der TLA MB III (1988)

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Zielkanäle der TLA MB V (1988)

1984 erfolgte die Umrüstung des Fla-Raketenregiments 8 auf den Fla-Raketen-Komplex Osa-AK (NATO-Code: SA-8 Gecko).
Im Fla-Raketenregiment 11 erfolgte diese Umrüstung 1986. Der größere Gefechtswert des Fla-Raketenkomplexes Osa-AK bestand in folgenden Vorzügen:

  1. In einem Basisfahrzeug waren Start- und Leitstation (SLS), Aufklärungsstation, Startausrüstung und Stromversorgung vereinigt.
  2. Als schwimmfähiges Räderfahrzeug verfügte dieser Komplex über bessere Manövrierfähigkeiten.
  3. Der technische Aufwand zur Vorbereitung der Fla-Raketen war auf ein Minimum reduziert, da sich diese in hermetisierten Containern befanden.
  4. Der Fla-Raketenkomplex Osa-AK hatte gegenüber dem FRK Kub eine bedeutend größere Effektivität hinsichtlich der gleichzeitig bekämpfbaren Ziele.

1987/88 hatte die Waffengattung Truppenluftabwehr den höchsten Stand der Gefechtsbereitschaft seit ihrer Gründung erreicht. Ausdruck dafür waren u. a. die hohe Anzahl der Zielkanäle, die gesteigerte Vernichtungswahrscheinlichkeit von Flugzielen durch die Fla-Raketenkomplexe, der kombinierte Einsatz von Fla-Raketen und Fla-Kanonen (Schilka-23/4), die hohe Manövrierfähigkeit der Fla-Systeme, die Handlungsmöglichkeiten unter allen meteorologischen Bedingungen sowie der gute Ausbildungsstand der Soldaten, Unteroffiziere, Fähnriche und Offiziere. Die Truppenluftabwehr war somit in der Lage, die Deckung der Truppen und Objekte der Landstreitkräfte wirkungsvoll zu realisieren.

Quelle : Die Truppenluftabwehr der NVA, Paul Kneiphoff und Michael Brix, Verlag am Park 2005

 
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