Die Luftverteidigung der DDR bis 1990

Zusammenwirken in der Luftverteidigung

Der Begriff Zusammenwirken kommt vom lateinischen Begriff "cooperatio". Er beschreibt das gemeinsame, abgestimmte Handeln mehrerer Personen oder Systeme. Er wird im gesellschaftlichen Leben vielfach verwendet.. Im militärischen Leben bezeichnet er das gemeinsame, abgestimmte Handeln von zwei oder mehreren Soldaten, Einheiten, Verbänden, Armeen, Waffengattungen, Teilstreitkräfte und Bündnissen. Es gibt ihn seit es bewaffnete Streitkräfte gibt. Bei den römischen Legionen ebenso wie bei der NATO und dem Warschauer Vertrag.

Die moderne Luftverteidigung kommt ohne den Begriff des Zusammenwirkens nicht aus. Das gleichzeitige Handeln verschiedener Einheiten, Waffengattungen und Teilstreitkräfte und unterschiedlicher nationaler Kontingente (NVA und GSSD) auf dem Territorium der ehemaligen DDR war ohne organisiertes Zusammenwirken undenkbar. Die Massierung der Luftverteidigungskräfte bestehend aus Jagdfliegern und Fla-Mitteln der NVA und GSSD war so groß, dass die Methoden des Zusammenwirkens so einfach und eindeutig sein mussten, damit sie auch realisiert werden konnten. Die auf dem Territorium der ehemaligen DDR bei Voller Gefechtsbereitschaft entfalteten Luftabwehrmittel aller Teilstreitkräfte lag bei 6 bis 8000 Zielkanälen am Tage und bei 2 bis 2700 in der Nacht. Die höchste Abwehrdichte wurde in Höhen bis 1,5 km erreicht. Die Reichweite der verfügbaren Mittel lag bei minimal 2 km und maximal 250 km. Die Schwierigkeit bestand im gleichzeitigen Handeln der Fliegerkräfte und der Fla-Mittel. Die GSSD verfügten über 625 Kampfflugzeuge und fast 700 Kampfhubschrauber in der DDR. Dazu kamen 310 Kampfflugzeuge und 190 Hubschrauber der NVA. Wenn man sich vorstellt, dass Flugzeuge und Hubschrauber gleichzeitig in die Luft gegangen wären, dann hätten für jeden eigenen Flugkörper nur wenige Quadratkilometer des Territoriums zur Verfügung gestanden und die Flugzeuge des Luftgegners sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

Das Zusammenwirken wurde deshalb sehr umfassend militärwissenschaftlich untersucht. Es wurden die Ziele, Arten und Methoden bestimmt. Alles wurde regelmäßig trainiert. Es ging um hohe Effektivität und die Sicherheit der eigenen Fliegerkräfte durch abgestimmte Gefechtshandlungen. Grundlagen des erfolgreichen Zusammenwirkens waren eine einheitliche Luftlage, stabile Nachrichtenverbindungen und gut ausgebildete Offiziere des Zusammenwirkens. Bei den vielen Trainings, die wir durchführten, wurden die einfachsten Methoden als die besten ermittelt. Das war das Zusammenwirken nach der Zeit, nach Räumen und Linien. Hier war es relativ klar wer wann und wo handeln durfte. Beim Zusammenwirken nach Zielen und Sektoren kam es oft zu Verwechslungen und die Sicherheit der eigenen Flieger war gefährdet. Auch in Zeiten modernster Technik und Satellitennavigation ist das Einfachste immer noch das Sicherste.

 
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Feuerzonen der FRT   Handlungszonen der JFK

Die beiden oben stehenden Abbildungen deuten an wie kompliziert die Bedingungen für das Zusammenwirken von bodenständiger Luftabwehr und Fliegerkräften auf dem Territorium der DDR waren. Die linke Abbildung zeigt nur die Feuerzonen der FRA der LSK/LV, die der Landstreitkräfte der NVA und GSSD kamen in jedem Fall noch dazu.
Im Verlaufe der vielen Trainings, die stattfanden wurde herausgearbeitet : zweckmäßigste Variante bei einfacher Luftlage ist das Zusammenwirken nach Zielen, die Abwehr von massierten Schlägen des Luftgegners konnte nach Zeiten, Linien und Richtungen erfolgen. Die konsequente Anwendung der Freund-Feind-Kennungsgeräte war wichtiges Element für die Sicherheit der eigenen Jagd-flugzeuge in den Feuerzonen der FRT. Die Gefahr des "friendly fire" ging vor allem von den tragbaren Fla-Raketenkomplexen in geringen Höhen aus. Die Fla-Raketenschützen konnten keine Kennung abfragen und mussten extrem schell handeln.

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